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25 Jahre Partnerschaft mit Ozimek/Polen

Fotos: sp

25 Jahre deutsch-polnische Partnerschaft
Herzliche Begegnung im Zeichen grenzenloser Freundschaft
Pfarrei Achern und Heimschule Lender feierten Jubiläum

Achern/Sasbach(sp). „Ich habe mein Herz in Achern verloren”. Ein schöneres Kompliment konnte Prälat Gerhard Kaluza aus Ozimek in Polen den Gastgeber in Achern nicht machen, als die Pfarrei „Unserer Lieben Frau” mit der Heimschule Lender 25 Jahre deutsch-polnische Partnerschaft und unendlich vielen guten und herzlichen Begegnungen von Jugendlichen und Erwachsenen in dieser Zeit feierten. „Der gute und schöne Weg der Partnerschaft führt uns in eine friedliche Zukunft im Haus Europa. Gott segne unsere Freundschaft und die weitere Zusammenarbeit”, so Gerhard Kaluza, der als damaliger Pfarrei von Ozimek ein Mitbegründer der Partnerschaft war und sie als großer Förderer begleitet.
Als Menschen aus Achern und Sasbach Anfang der 80er Jahre Pakete packten und in den Notjahren Polens Lebensmittel, Kleider und Medikamente nach Oppeln und Neiße fuhren, hätte sich niemand träumen lassen, dass sich daraus eine Freundschaft und eine Schulpartnerschaft entwickelten. Dies klang immer wieder an, als dieses ganz besondere und seltene Jubiläum in Anwesenheit von Oberbürgermeister Klaus Muttach und Bürgermeister Dietmar Stiefel mit einem bunten Abend und einem festlichen Gottesdienst gefeiert wurde. Hierzu reiste eine Delegation mit dem neuen Ozimeker Pfarrer Marian Demarczyk, Bürgermeister Jan Labus und Josef Juris an der Spitze nach Achern, während 33 Jugendliche mit den Lehrerinnen Klaudia Bukowska-Pająk, Jolanta Szyporta und Ewa Waliszewska noch bis zum 12. Mai Gäste der Heimschule Lender sind und sich in den Familien der Lenderschüler wie zu Hause fühlen.
Es waren wunderbare Tage der Begegnung und Freundschaft, die unter dem Motto „Grenzen überwinden - Menschen bauen Brücken” standen. Dies haben in 18 Jahren Schüleraustausch über 1000 deutsche und polnische Jugendliche verwirklicht, auch viele Erwachsene aus Achern und Ozimek reichten sich die Hände schufen in großer gegenseitiger Offenheit Bausteine für das neue Europa ohne Grenzen. Daran erinnerte Winfried Hoggenmüller in einem sehr schönen Rückblick, bei dem die Gäste sehen konnten, wie während der Notjahre und des Kriegsrechtes in Polen Lastwagen mit Tonnen von Hilfsgütern in das Nachbarland rollten und in Krankenhäusern und Pfarreien wertvolle Hilfe geleistet wurde. Mit der Zeit entstand der Wunsch, näheren Kontakt mit einer Pfarrei zu bekommen und am 28. Mai 1990 kam es durch die Vermittlung des Caritasdirektors Pawel Porada zu einer historischen Begegnung im Pfarrhaus Ozimek. Hier begrüßte Pfarrer Gerhard Kaluza und der Arzt Josef Juros die Polenfahrer Berta Habermehl, Winfried Hoggenmüller und Roland Spether, es kam zu einer Liebe auf den ersten Blick und alles andere ergab sich fast von selbst. So kam es bereits 1991 zu einer ersten Fahrt von Erwachsenen nach Ozimek und 1992 besuchten erstmals Schüler der Heimschule das Lyzeum, was damals in der Schullandschaft in Polen und in Deutschland eine Seltenheit war. Die gegenseitige Begeisterung kannte keine Grenzen, die Freundschaft wurde immer enger und sie mündete auch ein in das Internationale Jugendprojekt, ebenso in viele Hilfen von der Pfarrei Achern für das Krankenhaus und die Behindertengruppe „Integracja” sowie die Altenheim in Ozimek und Döbern. „Ich bin sehr dankbar, dass vor 25 Jahren die Saat der Freundschaft gepflanzt wurde”. So Oberbürgermeister Klaus Muttach, der erzählte, wie er mit Freunden während der Abiturvorbreitung auch Pakete für Polen packte und Briefkontakt hatte. „Ich freue mich, wenn wir noch oft in Freundschaft zusammen kommen”, meinte Klaus Muttach, der sich bei allen Verantwortlichen bedankte und der Partnerschaft eine glückliche Zukunft wünschte.

Ehrungen für die deutsch-polnischen Gründerväter
Weg der Freiheit und des Friedens beschritten
Achern/Sasbach(sp). Als die Gäste aus Ozimek im Festgottesdienst mit den Lenderschülern das schöne Marienlied zu Ehren der „Schwarzen Madonna” von Tschenstochau sangen, war etwas von dem besonderen Geist der deutsch-polnischen Partnerschaft und der lebendigen Kraft des Glaubens zu spüren. Denn neben dem Wunsch nach Frieden, Versöhnung und Freundschaft über Grenzen war es der gemeinsame Glaube, der in den vergangenen 25 Jahren die Menschen aus Ozimek, Achern und Sasbach zusammen führte. Diese Erfahrung fand ihren Ausdruck in einem festlichen Gottesdienst in der Acherner Pfarrkirche „Unserer Lieben Frau”, den die polnischen und deutschen Jugendlichen mit ihren Lehrern vorbereiteten und gestalteten. Mit Pfarrer Joachim Giesler zelebrierten der ehemalige Stadtpfarrer Michael Vollmert, Gerhard Kaluza und Marian Demarczyk, der auch ein Gruß- und Dankeswort von Erzbischof Alfons Nossol von der Diözese Opole verlas. Denn die Hilfslieferungen gingen damals in seine Diözese, in Einrichtungen der Caritas und in Krankenhäuser.
„Es gibt keine wahre Freiheit ohne die Verwurzelung in Gott und die Solidarität mit Menschen”. So Pfarrer Joachim Giesler in seiner Festpredigt, in der er von dem kostbaren, aber auch bedrohten Gut der Freiheit sprach. Denn allzu gerne flüchten sich Menschen in Scheinfreiheiten wie Geld, Materialismus und Konsum und spüren nicht, wie sie sich verlieren und zu „Gefangenen ihrer selbst” werden. Dabei gehe die hohen Wert der Menschlichkeit und der Nächstenliebe verloren, zu der gerade auch die Christen im Bewusstsein der Freiheit als „Kinder Gottes” berufen sind. Die deutsch-polnische Partnerschaft habe sich um die Verwirklichung dieser Werte bemüht, in dem sich Menschen in Freundschaft und Liebe begegneten, Vorurteile abbauten und sich für ein gemeinsames Leben in Freiheit und Frieden engagierten. Hierfür bedankte sich Joachim Giesler auch am Abend zuvor bei allen Verantwortlichen, als er mit Karl Römer, Vorsitzender des Pfarrgemeinderates, Pfarrer Marian Demarczyk und Teresa Juros Spenden für das Altenheim und die Behindertengruppe überreichte. Ein besonderes Zeichen der Verbundenheit soll auch eine schön gezierte Kerze sein, die Joachim Giesler dem Pfarrer von Ozimek mit auf den Weg gab. Eine Ehrung erfuhren auch die „Gründerväter” Klaudia Bukowska-Pajak, Wieslawa Weiß, Richard Dreling, Gerhard Kaluza, Josef Juros und Bürgermeister an Labus. Pfarrer Marian Demarczyk bereitete Berta Habermehl eine große Freude, als er sich für deren Initiative vor 25 Jahren bedankte und ihr eine Staute der „Mutter Anna” überreichte. „Einer allein konnte das nicht tun”, meinte Berta Habermehl, die den Dank an alle weiter reichte, die Pakete packten, Fahrzeuge lenkten und bereit waren, den Menschen in Polen die Hände zu reichen. Daran erinnerte auch der ehemalige Vizedirektor des Lyzeums und Mitbegründer des Schüleraustausches, Ryszard Dreling, als er über die Notjahre und den Freheitkamp der Gewerkschaft „Solidarnośc” mit Lech Walensa berichtete und die Erfolgsgeschichte Achern, Sasbach und Ozimek aufzeigte. „Wir Erwachsene haben die Pflicht, den Jugendlichen  Bedingungen für ein friedliches europäisches Haus zu schaffen”, so Ryszard Dreling. „Lasst uns weiter kleine Schritte im Beseitigen von Vorurteilen, im Öffnen von Grenzen zwischen den Ländern und im Bau einer besseren friedlichen Zukunft machen.
Dass die Jugendlichen gerne und mit Begeisterung an dieser Zukunft mitarbeiten, wurde während des Schüleraustausches und der Jubiläumsfeier deutlich. So lernten sie Lieder in der Sprache des anderen und trugen sie beim Unterhaltungsabend und im Gottesdienst vor. Sie musizierten und rezitierten Gedichte in deutscher und polnischer Sprache und hatten viel Spaß bei Fahrten nach Freiburg und Straßburg, beim Miteinander in den Gastfamilien oder beim Sasbachtag mit Empfängen von Bürgermeister Wolfgang Reinholz und Schulleiter Lutz Großmann. Dieser hatte die Gäste bereits beim Festabend wie Matthias Wunderle vom Pfarrgemeinderat in polnischer Sprache begrüßte und damit ein besonderes Zeichen der Verbundenheit gesetzt.