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50 Jahre Seminar Sankt Pirmin

Chronik 50 Jahre Seminar Sankt Pirmin in Sasbach
Über 500 „Altstudenten” bestanden Abi –
111 Pirminer wurden zu Priestern geweiht

Sasbach(sp). Dass „Altstudenten” und „Spätberufene” seit jeher zum Bild der Heimschule Lender gehörten und seit 1875 viele Priester und Ordensleute aus „der Lenderschen” hervor gingen, erleichterte 1959 dem Freiburger Erzbischof Hermann Schäufele die Wahl für einen neuen Schulstandort. So wurde Sasbach für den Bau einen Spätberufenenseminars erwählt, in dem junge Männer über den „Zweiten Bildungsweg” das Abitur erwerben und einen Ort für ihre Berufung finden konnten. Daran und an vieles mehr wird am Sonntag, 26. April erinnert, wenn die Pirminer mit Erzbischof Robert Zollitsch das Goldene Jubiläum feiern und mit Freude und Dankbarkeit an alte Pirminzeiten denken.
In den vergangenen 50 Jahren erlebte Sankt Pirmin viele schulische und strukturelle Veränderungen und Entwicklungen, das Seminar blieb aber stets geprägt von einem ganz besonderen Geist der „Pirminbuben” und einer guten Gemeinschaft auch über die Schulzeit hinaus. Sehr erfreulich ist, dass seit 1959 rund 550 junge Männer das Abitur erreichten und sich eine gute Ausgangsbasis für ein Studium oder eine weitere Ausbildung schufen. Ganz im Sinne von Franz-Xaver Lender und Erzbischof Hermann Schäufele wurden bis heute 111 Pirminer zu Priestern geweiht, 30 traten in eine Ordensgemeinschaft ein und sehr viele wurden Lehrer und Ärzte oder ergriffen einen sozialen Beruf. Wie Franz-Xaver Lender in der schwierigen Zeit des Kulturkampfes mit seiner Schule Priester gewinnen wollte, so sollte das neue Seminar in gleicher Intention ein Ort sein, an dem neben dem schulischen Weg auch die spirituelle Begleitung und Ermunterung für Berufe in der Kirche einen entscheidenden Platz hat. Zum Schutzpatron wurde mit dem heiligen Pirmin der Missionar und Glaubensbote der Alemannen. Erster Rektor wurde Pfarrer Hermann Oberle, der damals Präfekt an der Heimschule Lender war und Sankt Pirmin von Anfang an als eine ganz persönliche Aufgabe und Berufung sah. Schulleiter wurde Werner Guldenfels, die Heimschule Lender leitete Monsignore Wilhelm Benz.
„Quantum potes, tantum aude” – „Wie viel du kannst, so viel wage”. Dieses Wort des großen Kirchenlehrers Thomas von Aquin lässt sich neben vielen anderen guten Intentionen als Leitwort für Sankt Pirmin schreiben, dessen erste Schüler bis zum Einzug in den so genannten „Altbau” 1960 in der Villa Konrad wohnten. In diesem Jahr erhielt die Schule den Anerkennungsbescheid für den altsprachlichen Aufbauzug als staatlich-anerkannte „Ersatzschule” für die Klassen acht bis 13. Doch bereits nach zwei Jahren erwies sich das für 80 Bewohner konzipierte Haus als zu klein, hinzukam, dass für den Altbau keine Hauskapelle, keine Aufenthaltsräume und kein Speisesaal eingeplant waren. So diente die alte Pausenhalle der Heimschule den Pirminern als Speisesaal, was auf Dauer nicht tragbar war. Doch den Ausschlag für einen Neubau gab 1962 die Umstrukturierung des Seminars in ein Aufbaugymnasium, in das auch 13- und 14-jährige Schüler eintreten konnten. Doch bis der Neubau 1967 bezogen werden konnte, gab es einige Steine aus dem Weg zu räumen. Denn an dem am Besten geeigneten Ort für den Neubau stand der ebenfalls neue Sasbacher Kindergarten, der abgebrochen und auf der andere Straßenseite neu errichtet wurde. Nur zu gut erinnern sich noch so manche Altsasbacher an jenen Oktobernachmittag 1965, „als nach dem Ausbau der verwendbaren Teile die Fundamente des Kindergartens gesprengt wurden und Betonbrocken bis auf die vorübergehend gesperrte Bundesstraße flogen”, schreibt Werner Guldenfels in seiner Chronik. Der Neubau entstand mit Studierzimmern, Schlafräumen für drei- und sechs Schüler, auch Küche, Speisesaal, Aufenthaltsräume und ein Hallenbad sorgten für ein angenehmes Studieren und Wohnen. Deutsche Geschichte erlebte der Neubau, als am 13. September 1989 rund 50 Übersiedler aus der DDR von Passau kommend in Sasbach eintrafen und hier für ein halbes Jahr eine neue Heimat fanden.
Im Jahre 1971 erfolgte die Gründung des Kollegs für die älteren Schüler, die in vier Jahren zum Abitur geführt wurden. Die jüngeren Pirminer besuchten wie bisher das sechsjährige Aufbaugymnasium, das bis zum Schuljahr 2000/01 bestand und von Michael Buck geleitet wurde. Nach Werner Guldenfels wird 1986 Bernhard Willmann Kollegleiter, während 1979 Georg Lämmle die Nachfolge von Hermann Oberle antrat. Seit dem Schuljahr 1987/88 ist Sankt Pirmin auch das Spätberufenenseminar für junge Männer aus der Diözese Rottenburg, mittlerweile besuchen auch Schüler aus anderen Diözesen das Seminar. Die Leitung des Kollegs übernimmt 1992 Luise Konradi und 2001 Gerd Sarcher, nach Georg Lämmle und Joachim Dauer zieht im Jahr 2000 Edgar Eisele in die Wohnung des Rektors ein.