Bravouröses Stück Zeitkritik vom Olymp
Komödie „Götter wie Du und ich“ der Lender-Schule schlägt Brücke von der Antike ins Jetzt
Sasbach (wowi). Die zeitkritische Komödie „Götter wie Du und ich“ feierte in der dicht gefüllten Lender-Aula eine bejubelte Premiere. In Eigenregie stellten 18 Jung-Schauspieler eine perfekt inszenierte Produktion auf die Beine die verdient überregional gezeigt zu werden.
Den großartigen Erfolg ermöglichte eine glänzende Ausgangsbasis: Das Jugend-Theaterstück der erfolgreichen Librettistin und Autorin Beate Haeckl wurde von Berliner Gymnasiasten 2007 erfolgreich uraufgeführt.
Der den Ton der Zeit treffende Text bedurfte keiner Überarbeitung. Keine Frage, Lender-Direktor Lutz Großmann und die Alt-Sasbacher unterstützen das Vorhaben. Eberhard Schreibers 40-köpfige Bühnenbild AG vollbrachte eine beeindruckende Herkulesarbeit. Vor den Augen der Zuschauer erhob sich, als vielseitig bespielbare Felsenlandschaft der mythenumwobene Familienwohnsitz der griechischen Götter. Hier, auf dem Olymp, blättert der von seiner Ehefrau Hera (zum Niederknien: Ann-Kathrin Klumpp) kräftig an die Kandare genommene Zeus (mit Lachgarantie: Daniel König) lustlos in einem Erotikmagazin. Hera klagt vehement: „Wo ist die viel besungene olympische Heiterkeit geblieben? Nichts als Streit, den lieben langen Tag!“.
Vor dem von Zeus einberufenen Familienrat stellt Hera fest, dass die einst „geehrten und gefürchteten griechischen Götter von den Menschen zu Witzfiguren abgestempelt werden“ und fordert Taten um nicht auf der „Müllhalde der Mythologie“ zu enden. Ares (Themistoklis Dimitriadis ) und Apoll (Felix Becker) – beide spielen ihre Rolle fantastisch – kommen auf die Idee gemeinsam in einer Fernsehshow aufzutreten. Hermes (hoch begabt: Julian Sokolowski) wird zur Chefin der Walhalla AG Ricarda Binger (glaubhaft kaltschnäuzig: Allegra Decker) ausgeschickt. Der Medienmogulin gehören bereits alle privaten Fernsehsender und steht kurz vor dem Sprung auch die staatlichen Sender zu übernehmen. Binger ist auf dem hohe Einschaltquoten garantierenden Germanen-Trip und lässt den Götterboten höhnisch abblitzen. Mit der jungen Dokumentarfilmerin Jenny (erstklassig: Hanna Braun) findet Hermes eine ambitionierte Verbündete. Sie soll das Leben der Sippe filmen und mit diesem Auftrag groß herauskommen. Jennys Freund Florian (köstlich gespielt von Lukas Klein) wechselt dagegen die Seiten und versucht das Projekt im Auftrag Bingers zu sabotieren. Die gesamte Handlung zu erzählen würde zu weit führen, wichtiger ist, die Leistung des bravourös aufspielenden Ensembles zu würdigen. Allen voran Philipp Kern als grobschlächtiger Schmiedegott Hephaistos und darüber hinaus Stefanie Eckmann (Artemis), für die höchst präzise und einfallsreich arbeitende Regie verantwortlich. Unbedingt zu nennen sind noch Pallas Athene (Tamara Striebel) so wie Kriemhild und Brünhild (Juliane Blum und Svenja Hundt), die wie aus der Volksmusikhitparade entsprungen schienen.
Kurz, wer das Stück nicht gesehen hat ist zu bedauern. Lachtränen ohne Ende, zielsicher abgefeuerte Pointen wie am Fließband, besser und schlagkräftiger kann ein Schülertheater nicht auftrumpfen. Schade nur, dass Jugendliche anderer Schulen das am Samstag ausverkaufte wiederholte Stück nicht zu sehen bekommen. Die Freude am Theaterspielen könnte dabei aufs Kräftigste Funken schlagen.