Olympiasieger Dieter Baumann in Sasbach
Im Laufen die Balance für das Leben finden -
Lesung und Trainingseinheiten
Sasbach(sp). „Was fällt euch zum Namen Dieter Baumann ein?” Die Antwort „Zahnpasta” und damit der Hinweis auf die Dopingaffäre kam schnell aus den Reihen der Lenderschüler vom Neigungsfach Sport, während Dieter Baumann diesen Hinweis erwartete, danach lächelte und feststellte: „Leistungssport ist eine Schule der Niederlage”. Doch die Sportlehrer der Jugendlichen erinnerten sich noch sehr gut an die Olympischen Spiele 1992 in Barcelona, als sich Dieter Baumann im 5000-Meter-Lauf in einem phänomenalen Spurt die Goldmedaille erkämpfte und die letzten 100 Meter in 11,9 Sekunden zurück legte. Vier Jahre zuvor lief er bei den Spielen in Seoul auf den zweiten Platz, 1994 wurde er Europameister und allein auf nationaler Ebene erkämpfte sich Dieter Baumann als einer der erfolgreichsten Langstreckenläufer der deutschen Sportgeschichte 40 Meistertitel auf Strecken von 1500 bis 10000 Metern.
Die Vereinigung der Altsasbacher hatte den besonderen Sporttag mit Dieter Baumann ermöglicht, der nach einer Gesprächsrunde mit den Schülern und einem Lauftraining am Abend aus seinem Buch „Laufende Gedanken” las. Das Buch erschien im Verlag Klöpfer & Meyer in Tübingen von Verleger Hubert Klöpfer aus Bühl, der vor 35 Jahren im Seminar Sankt Pirmin in Sasbach sein Abitur bestand. Das Buch beinhaltet Dieter Baumanns beste Kolumnen aus der taz und Runners World, wobei der „Lebensläufer” seine Aufschriebe als Dauerlauf skizziert, als „laufende Gedanken” und „erlaufene Geschichten”. „Da bin ich meinen Gedanken nachgelaufen, habe sie eingefangen, für einen Moment überholt und manchmal sind sie mir auch wieder entwischt”. In dem Buch, wie bei dem Gespräch mit den Schülern war Dieter Baumann wichtig, die Energie nicht zu sehr mit dem Blick in die Vergangenheit zu vergeuden, vielmehr nach vorne zu schauen, sich Ziele zu setzen und zu gestalten. „Ich habe im Sport alles erlebt und ich hatte eine tolle Karriere”, so der „Lebensläufer”, der auf Nachfrage der Schüler auch auf seine Dopingaffäre und die verbotene Substanz in der Zahnpasta einging. Der Deutsche Leichtathletik-Verband sprach ihn damals von dem Vorwurf des Dopings frei, der Internationale Verband sperrte ihn jedoch von 2000 bis 2002. Danach setzte er seine Karriere als Trainer, Journalist und jüngst auch als Kabarettist fort, doch das „Feuer” seiner Motivation zu Laufen blieb und dies durften die Lenderschüler bei einer besonderen Trainingseinheit mit dem Olympiasieger und einem Interview mit „Lender-TV” erleben. Zuvor ging es in der Sport-Theorie etwa um den von allen Oberstufenschülern gefürchteten „Cooper-Test”, um Motivation, zielgerichtete Trainingsmethoden oder um eine Einschätzung der aktuellen Laufszene, in der etwa europäische Sportler gegenüber den Sprintern aus Jamaika oder den Langstreckenläufern aus Kenia, Eritrea und Äthiopien offensichtlich keine Chancen mehr haben. Als Kenner der Materie berichtete Dieter Baumann von verbesserten Rahmenbedingungen in den so genannten Entwicklungsländern und von hoch motivierten, jungen Sportlern, die im Laufen und in Erfolgen den einzigen Ausweg für ihr Leben, für ein Stipendium in den USA und für eine berufliche Zukunft sehen. Wichtig war ihm den Jugendlichen zu vermitteln, auf sich selbst und die eigene Leistung zu besinnen, sich immer wieder neu Ziele zu setzen und diese mit dem richtigen Maß an Selbsteinschätzung anzugehen. Laufen könne in dem Sinne eine positive „Sucht” sein, Zufriedenheit im Alltag und die eigene Balance im Leben zu finden.