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Bosch-Manager an der Lender

Sasbach(sp). Dass ein weltweit agierendes Unternehmen in wirtschaftlich „rauer Zeit” keinen milliardenschweren „Rettungsschirm” benötigt, durften Schüler des Wirtschaftsgymnasiums der Heimschule Lender in einer außergewöhnlichen Unterrichtsstunde mit dem Bosch-Manager Gerhard Steiger erfahren. Aber den Schirm mit dem Lender-Logo nahm er mit Freuden entgegen, den ihm Emil Spath seitens der Schulleitung mit einem herzlichen Dank für diese lehrreichen Einblicke in die globale Welt mit ihren gravierenden Umbrüchen und neuen Herausforderungen aufzeigte.
„Wer in guten Zeiten Geld auf die Seite bringt, muss in schlechten Zeiten nicht zur Bank gehen”. Diesem altbewährten Konzept eines „ehrbaren Kaufmanns” wisse sich „Der Bosch” ganz im Sinne des Gründers Robert Bosch verpflichtet, ebenso der Maxime, von den Besten der Beste zu sein, höchste Qualität zu produzieren, Visionen zu entwickeln und in Forschung und Entwicklung zu investieren. „Werden sie Ingenieur, wir brauchen intelligente und innovative Leute”. Ob diese Botschaft des Experten bei den Jugendlichen ankam, wird sich zeigen. Aber Gerhard Steiger legte deutlich dar, dass die „technische Intelligenz” eine lange und große Tradition im Standort Deutschland war und zunehmend unter die Räder gerate. „Wir haben keine niedrigen Löhne, kein Öl oder andere Bodenschätze, wir können nur Intelligenz bieten”. Deshalb sah es der Manager als ein Problem an, wenn bei vielen Schülern gerade die naturwissenschaftlichen Fächer als Belastung angesehen werden. „Wir müssen die Begeisterung für technische Phänomene fördern, denn damit werden Arbeitsplätze geschaffen und unser Wohlstand gesichert”.
Die „Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik” von Robert Bosch (1861–1942) in Stuttgart entwickelte sich zu einem weltweit agierenden Technologie- und Dienstleistungsunter­nehmen mit 280.000 Mitarbeitern, davon 112.000 in Deutschland. Die Bosch-Gruppe umfasst die Robert Bosch GmbH und ihre mehr als 300 Tochter- und Regionalgesellschaften in über 60 Ländern, 2009 wurde ein Umsatz von 38 Milliarden Euro erzielt, so Gerhard Steiger, der für den Bereich Bremsanlagen verantwortlich ist. Das Besondere am Bosch sei dessen gesellschaftsrechtliche Struktur, die ein maßgeblicher Garant des Erfolgs sei und mit anderen firmeneigenen „Genen” dazu beitrug, dass die Finanz und Wirtschaftskrise gut gemeistert wurde. So liegen die Kapitalanteile zu 92 Prozent bei der gemeinnützigen Robert Bosch Stiftung GmbH, die übrigen Anteile liegen bei der Familie Bosch und der Robert Bosch GmbH. Diese, für ein Unternehmen in dieser Größenordnung einmalige Verfassung garantiere die unternehmerische Selbständigkeit und eine langfristige Unternehmenspolitik. „Wir müssen keine Analysten fürchten, denn wir sind keinen Aktionären verpflichtet”.  Diese Unabhängigkeit bezeichnete Gerhard Steiger als einen entscheidenden Erfolgsgaranten, denn das erwirtschaftete Geld werde in das Unternehmen investiert und nicht an Aktionäre ausgeschüttet. Weiter realisiere man eine fundamentale kaufmännische Weisheit, in dem das Unternehmen auf einer ungewöhnlich hohen Eigenkapitalquote (50 Prozent) basiere und sich nicht von Fremdkapital abhängig mache. „Das Geld bleibt in der Familie”, so Gerhard Steiger, der darlegte, welch hohe personelle und finanzielle Investitionen für die Forschung etwa im Bereich der umweltfreundlichen Energiegewinnung aufgebracht werden. Zum „Wertegerüst” des Bosch gehöre die Verantwortung für die Mitarbeiter, die Umwelt und die Gesellschaft, was an den 60 bis 70 Millionen Euro der Bosch-Stiftung für die verschiedensten Projekte deutlich werde. Hoch interessant waren die Ausführungen, welch „dramatische Entwicklungen” auf dem globalen Markt ablaufen und wie die „Ausschläge” der  Konjunkturzyklen in immer kürzeren Zeiträume zunehmen. Hinzu komme die „Machtverschiebung” nach Asien und eine zunehmende Fülle von Lösungsansätzen, denen sich ein Unternehmen gegenüber sehe und mit einer „strategische Weitsicht” annehmen müsse.

 

Einen Rettungsschirm benötigt Bosch nicht, aber bei Regen ist der Lenderschirm hilfreich – v.l.n.r. Emil Spath und Gerhard Steiger


Foto:sp