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Praktikum in Nepal: medizinische Reise in eine andere Welt

Achern/Obersasbach(sp). „Das Medical Camp war ein Tagesmarsch vom Krankenhaus Chaurjahari und in zwei Tagen haben wir 1.150 Patienten behandelt“. Das Praktikum von Maximilian Kohler (Achern) in Nepal war eine Reise in eine völlig andere Welt,  als der ehemalige Lenderschüler und angehende Medizinstudent in einem Krankenhaus arbeitete, das die Deutsche Hilfsaktion für Missionskrankenhäuser (DHM) seit einigen Jahren finanziell und materiell unterstützt. Auch das Obersasbacher Arztehepaar Ursula und Eberhard Koch sowie die Gesundheits- und Krankenpflegerin Christiane Federle vom Ortenau Klinikum Achern arbeiteten Ende des Jahres 2010 in dem Krankenhaus im Distrikt Rukum, das ein Einzugsgebiet von rund 50 Kilometern und Patienten betreut, die mehrere Tagesmärsche durch unwegsames Gelände bewältigen müssen. „Eine Frau mit einem gynäkologischen Problem war neun Tage unterwegs, um zu uns ins Krankenhaus zu kommen“, berichtete Christiane Federle.
Dass Maximilian Kohler sein für das Medizinstudium geforderte Praktikum in einem Krankenhaus in Nepal und nicht in einer modernen Klinik in Deutschland absolvierte, war für ihn die absolut richtige Entscheidung. Denn er durfte in vielfältigen Bereichen aktiv mitarbeiten und gleichsam hautnah und auf direktem Weg eine Medizin kennen lernen, wie sie hierzulande vor 40 oder 50 Jahren mit eher bescheidenen Hilfsmitteln im Vergleich zum heutigen Stand der Medizintechnik angewandt wurde. So erhielt Maximilian Kohler die Möglichkeit, als Assistent bei Operationen vom Kaiserschnitt über Gallenblase bis zum Blinddarm dabei zu sein und Chefarzt Bernard Geffe traute ihm gar zu, dass er fachgerecht eine Hautnaht vornehmen kann. Bei seiner Arbeit in der Ambulanz erlebte er zahlreiche klassische Krankheitsbilder wie Knochenbrüche und Schnittwunden, die daher rühren, dass die Menschen in dem unwegsamen und steilen Gelände stürzen oder gar Hänge hinabstürzen und dabei schwere Verletzungen erleiden. Die Bilder auf dem Laptop von Operationen und dem Entfernen von Gallensteinen bis zu Tumoren sprachen eine deutliche Sprache, doch der junge Mann hatte bei seinen medizinischen Einsätzen keine Probleme, im wahrsten Sinne des Wortes „standhaft“ zu bleiben. Vielmehr war es für ihn eine sehr wichtige und wertvolle Erfahrung für seinen weiteren persönlichen und beruflichen Weg. Auch die Herzlichkeit und Freundlichkeit der Menschen haben ihn sehr beeindruckt.
Bereits Ende 2009 arbeiteten Ursula Koch, Eberhard Koch und Christiane Federle in Chaurjahari, so dass sie wussten, was auf sie zukam. „Ich habe mich wieder dem Narkosegerät gewidmet, den Kompressor angeworfen und Sauerstoff aus der Raumluft bezogen“, so der pensionierte Anästhesie-Chefarzt des Ortenau Klinikums Achern. Mit der Bemerkung „den Holzhammer musste ich nicht anwenden“ wollte er verdeutlichen, dass die Anästhesie in Nepal auch mit Kompressor und Druckluft funktioniert und Operationen vorgenommen werden können. Patienten mit komplizierten Krankheitsbildern von Augenverletzungen bis hin zu Krebs würden an weit entfernte Spezialkliniken überwiesen, doch in Chaurjahari  sei die medizinische Grundversorgung gewährleistet. Einig waren sich die Nepalbesucher, die auf eigene Kosten anreisten, dass die DHM mit der örtlichen Partnerorganisation „Human Development Community Service” eine sehr gute und Leben rettende Arbeit in den Krankenhäuern in Dandeldhura, Chaurjahari und Lamjung, leistet. Dies garantierten auch Ärzte aus dem Elsaß, den USA oder Japan, die verteilt über das Jahr in den Krankenhäusern und den Außenstationen tätig seien. Der Besuch der deutschen Mediziner im Auftrag der DHM wurde über Radio angekündigt, so dass ihnen bei täglich rund 200 Patienten wahrlich nicht die hilfreiche Arbeit ausging. Auch wenn die Medizin in Nepal in vielen Bereichen wie ein Zeitsprung 50 Jahre zurück ist, das von der DHM unterstützte Krankenhaus funktioniert bestens und ersetzt das kommunale Krankenhaus in der entfernten Distrikthauptstadt. Während des letzten Jahres wurden in Chaurjahari 24.000 ambulante Patienten behandelt, 375 Kinder kamen zur Welt, 1.400 Operationen bewältigt und 2.000 Notfälle versorgt.
Das Ehepaar Koch besuchte auch das Neubauprojekt in Dandeldhura, für das die DHM in einem Zeitraum von drei Jahren 600.000 Euro bereitstellt. Voll des Lobes war das Ehepaar auch über die Asha Primary School, die Oberkircher Bürger gründeten, finanziell unterstützen und zu einem Ort der Hoffnung für viele Kinder machen.


Fotos:pr