Home » Aktuelles » Ehemaliger Lenderschüler bei Friedensnobelpreisträger Yunus

Ehemaliger Lenderschüler bei Friedensnobelpreisträger Yunus

Foto: pr Markus Beck mit dem Friedensnobelpreisträger Yunus

Großweierer Student und ehemaliger Lenderschüler bei Friedensnobelpreisträger Yunus

Eine Welt ohne Armut


Die Armut zu bekämpfen, um sie in Zukunft nur noch in Museen zu besichtigen, ist die große Vision, die Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus aus Bangladesch in seinem Buch „Eine Welt ohne Armut“  beschreibt. Markus Beck aus Großweier, Student der Internationalen Wirtschaftwissenschaften an der ESB Business School Reutlingen, hatte die Möglichkeit während eines sechswöchigen Praktikums in der Grameen Bank in Dhaka in Bangladesch Einblicke in die Arbeit Muhammad Yunus zu bekommen und wertvolle Erfahrungen in einem der ärmsten Länder der Welt zu sammeln.

Yunus stellt eine neue Art von Geschäftsmodell anhand seines Lebenswerkes, der Grameen Bank, vor, die auf der ganzen Welt als „Bank der Armen“ bekannt geworden ist. Bei dieser neuen Art von Geschäftsmodell handelt es sich um das sogenannte Soziale Unternehmen (Social Business), das von Yunus in seinem Heimatland Bangladesch auf verschiedene Art und Weise verwirklicht wurde, wie beispielsweise in der Trinkwasseraufbereitung, im Solarzellenvertrieb oder im Aufbau einer Joghurtfabrik in Zusammenarbeit mit dem französischen Unternehmen Danone.

Nachdem die Vereinten Nationen das Jahr 2005 zum Jahr der Mikrofinanzierung ernannt hatten und sich die Welt der Mikrofinanz rund um das Musterbeispiel der Grameen Bank drehte, bekam Professor Yunus für die Initiative zur Gründung der Grameen Bank im Jahre 2006 den Friedensnobelpreis für die Mikrofinanzinitiative, sowie für die sich dadurch entwickelnde Veränderung der Gesellschaftsstrukturen überreicht. Hier ging es weniger um die wirtschaftliche Umsetzung der Initiative oder um das wirtschaftliche Modell, weshalb er auch keinen Nobelpreis in Ökonomie bekam, sondern um die sozialen Veränderungen, die die Bank, beziehungsweise die ganze Grameen Familie mit sich brachte. Muhammad Yunus hatte es geschafft, entgegen aller Erwartungen der Banken, eine Institution zu schaffen, die den Menschen Geld verleiht, die über keine Kreditwürdigkeit von anderen Banken verfügen und somit eine Chance anzubieten aus der Armut auszubrechen. Mitlerweile hat die Bank, die 1983 von der bengalischen Regierung offiziell als Bank anerkannt worden war, fast acht Millionen Kreditnehmer und expandierte das Model in über 40 andere Länder auf der ganzen Welt, wie beispielsweise nach Indien, Indonesien, USA, Mexiko, Peru sowie in den Kosovo. Darüber hinaus ist gegen Ende des Jahres die Einführung eines Mikrofinanzierungsprogramms in Italien in Zusammenarbeit mit der Unicredit Bank geplant.

Neben der extremen Armut, in der sich über 50% der Gesamtbevölkerung befindet, der Wasserknappheit sowie der Überbevölkerung (150 Millionen Menschen leben auf einer Fläche, die etwa doppelt so groß ist wie Bayern), sind es besonders die alltäglichen Erlebnisse mit den Menschen, die Markus Becks Aufenthalt prägten.

Besonders beeindruckend für den ehemaligen Lenderschüler waren dabei auch die persönlichen Begegnungen mit den Kreditnehmern, die zu 97% Frauen sind, in einem Land mit der drittgrössten muslimischen Bevölkerung der Welt. So traf er Frauen, die sich dank eines Minikredites eine Milchkuh, eine Nähmaschine oder etwa eine Rikscha für ihren Mann kaufen konnten und dadurch eine mögliche Einkommensquelle besaßen, um ihre finanzielle Situation von weniger als 70 Cent pro Tag auf 3 Euro zu steigern, und um somit aus der Armut ausbrechen zu können.

Ebenso sammelte Markus Beck vorort wichtige Erfahrungen und Informationen über das neue Social-Business-Konzept, das unter anderem in Deutschland durch das Grameen Bank Creative Lab vorangetrieben wird und über das Markus seine Diplomarbeit im nächsten Semester schreiben möchte. Der Höhepunkt des Aufenthaltes in Dhaka war schließlich die Begegnung mit Professor Muhammad Yunus selbst, der mit seiner faszinierenden charismatischen Ausstrahlung eine unglaublich bereichernde Wirkung auf seine Mitmenschen ausübt, die Markus mit Sicherheit noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Nach dem sechswöchigen Praktikum bei der Grameen Bank in Bangladesch, in dem ein völlig anderes Zeitgefühl den Alltag prägte und es genügend Raum gab um neue Erfahrungen zu sammeln und viele Anregungen zum Nachdenken zu erhalten, geht es für Markus Beck nun wieder zurück nach Reutlingen, um dort das letzte Studienjahr anzutreten.