Mikrofinanzwesen effektive Hilfe für die Armen -
25 Jahre Zusammenarbeit mit Muhammad Yunus
Sasbach(sp). „Ich komme als Brückenbauer zu einer Welt, die mich in Atem gehalten hat”. Dies betonte der Altsasbacher und Entwicklungsökonom Dr. Erhard Kropp, der seit 25 Jahre Wegbegleiter und Freund des Friedensnobelpreisträgers Muhammad Yunus ist und am Aufbau des Mikrofinanzwesen und der Grameen Bank für die Armen mitarbeitete. „Ich freue mich, dass die Heimschule Lender in der Dritten Welt zu Hause ist. Zu meiner Schulzeit haben wir davon nichts gehört”, so Dr. Erhard Kropp beim Besuch in der Juniorfirma „El Mundo”, in der fair gehandelte Waren verkauft werden. Hier durfte sich der Altsasbacher im Beisein von Schulleiter Dr. Hubert Müller in das Goldene Buch der Heimschule eintragen, nachdem er vor Schülern der Oberstufe einen beeindruckenden Bericht über seine Arbeit und den erfolgreichen Aufbau des Mikrofinanzwesens gegeben hatte.
Bei seiner Begrüßung verwies Dr. Hubert Müller darauf, dass auch Franz-Xaver Lender ein Kleinkreditwesen aufbaute und mit dem „Spar- und Vorschussverein” die Basis für die Volksbank legte. Die Pfarrer waren damals Vertrauenspersonen im Umgang mit Geld und Pioniere für das Bankwesen in Deutschland, so Dr. Erhard Kropp. Seit 1962 war er im Auftrag des Bundesrepublik, der Weltbank und der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) für die deutsche Entwicklungshilfe in Asien tätig. Seine Schwerpunkte waren Armutsbekämpfung, ländliche Entwicklung, Frauenförderung und Kreditwirtschaft, zwei Jahrzehnte arbeitete er in mehreren asiatischen Ländern.
Der Altsasbacher hatte 1982 seine erste Begegnung mit Muhammad Yunus, als dieser erste Versuche mit Kleinkrediten für Frauen machte und Armut von unten bekämpfte. „Dieser Mann hat Charisma und eine hervorragende Kommunikationsfähigkeit”, so Dr. Erhard Kropp, der mit Muhammad Yunus Konzepte für die Grameen Bank, die Ausbildung von Bankern und die Gründung von Filialen erarbeitete. Ein Durchbruch gelang 1992, als das Modell in das internationale Bank- und Finanzwesen eingespielt wurde. „Denn ein Mensch, der nicht einmal einen Dollar am Tag zur Verfügung habe, werde kein Kunde einer normalen Bank”. Bis jetzt wurden 5,7 Milliarden Dollar an Kleinkrediten vergeben, die zu 99 Prozent zurückbezahlt wurden. „Ich habe noch nie so viel Solidarität und Menschlichkeit erlebt, wie unter armen Menschen”. Den Erfolg des Mikrofinanzwesens sah er im Sparen, in den Kleinkrediten und im Vertrauen auf die Aktivierung der Selbsthilfe der Menschen.
„So etwas wie Hartz IV sei außer Reichweite von zwei Milliarden Menschen”, so der Altsasbacher, der darlegte, wie mit dem ökonomischen Wachstum gerade die Ausbeutung der Armen zunehme und die Diskrepanz zwischen „stolzen Hightech-Metropolen” und Elendsvierteln zunehme. Kritisch äußerte er sich zu großen Prestigeprojekten der Entwicklungshilfe vergangener Jahrzehnte und staatlichen Finanztransfers an korrupte und verantwortungslose Regierungen, von denen die breite Bevölkerung und vor allem die Armen keinen Nutzen hätten. Manche dieser Projekte waren ein „riesiger Fehlschlag” und der aktuelle Schuldenerlass sei die Bestätigung, dass „damals alles schief gelaufen ist”. Demgegenüber stehe das von der Bundesrepublik unterstützte Mikrofinanzwesen, das direkt bei den Armen ansetze und deren Selbstverantwortung stärke. Dass die Kredite überwiegend Frauen erhalten, liege daran, dass sie verantwortungsbewusster mit dem Geld umgehen und den täglichen Überlebenskampf besser meistern. Interessant war auch ein Bericht über die Begegnung mit einem Altsasbacher in Asien, der nach dem für eine deutsche Versicherung mit ihm ein Mikroversicherungswesen gegen Krankheit und im Todesfall aufbaute. Der Juniorfirma „El Mundo” und der Heimschule Lender sicherte Dr. Erhard Kropp seine Unterstützung zu und betonte, dass der Verkauf von fair gehandelten Waren der richtige Weg sei. „Nicht große, ehrgeizige Projekte sind wichtig, sondern die Entwicklung von unten und die konkrete Hilfe für Menschen”.