Home » Aktuelles » Lesung Dominique Horwitz/Rainer Wochele (ABB Oktober 2009)

„Schnellster Völkermord der Zeitgeschichte“
Mit Schauspieler Dominique Horwitz präsentiert Rainer Wochele sein Buch über Ruanda
Von Wolfgang Winter


Die Vereinigung der Altsasbacher lud zur Lesung: Gemeinsam mit Schauspieler Dominique Horwitz präsentierte Autor Rainer Wochele sein Buch „Der General und der Clown“in der Aula der Lenderschule. Der beklemmend intensiv vortragende Horwitz setzte das „Kino im Kopf“ in Gang und ließ die schrecklichen Bilder des Völkermords in Ruanda lebendig werden.
Rainer Wocheles Roman spielt im badischen Kurort Bad Niedermatten, alias Bad Krozingen. Hierhin, ins beschauliche Markgräfler-Land, hat sich Generalleutnant John F. Geisreiter, ehemaliger Kommandant der UN-Blauhelmtruppe in Ruanda, zurückgezogen, um sich eine furchtbare Last von der Seele zu schreiben. Die Umgebung ist ihm nicht fremd, war doch der Kanadier früher in Lahr stationiert. In Bad Niedermatten begegnet der General dem „Clown“, der Friedensaktivistin Lissy, die mit einem „himmelblauen Weltumarmungsgefühl“ im Städtchen unterwegs ist. Es ist der Beginn einer Liebesgeschichte, die dem General helfen wird, den Gedanken an Selbstmord zu verbannen und ihm die Kraft gibt, das Erlebte publizistisch zu verarbeiten. Die Romanfigur ist authentisch angelegt. Der Autor berichtete in der Diskussion, dass er bei der Niederschrift den kanadischen General Roméo Dallaire im Auge hatte, der 1994 die UN-Truppe 1994 in Ruanda befehligte. Er ist der „glaubwürdigste Zeuge des schnellsten Völkermords der Zeitgeschichte“ urteilt Cap-Anamur-Gründer Rupert Neudeck. Vor 15 Jahren massakrierten Angehörige der Volksgruppe Hutu in knapp 100 Tagen eine Million Tutsi.
Nach seiner Rückkehr aus Ruanda unternahm Dallaire zwei Selbstmordversuche, er wurde, so erzählt Wochele, eines Tages in Ottawa, vollgepumpt mit Psychopharmaka und Alkohol, unter einer Parkbaum liegend aufgefunden. Der General fand erst 2003 die Kraft seine aufrüttelnde Autobiographie „Handschlag mit dem Teufel – Die Mitschuld der Weltgemeinschaft am Völkermord in Ruanda“ zu veröffentlichen.
In Wocheles 2008 erschienenen, akribisch recherchierten Roman, wird der Genozid erneut vor Augen geführt. Ein historisches Hinweisschild im Kurpark, dass Flößer und im Wasser treibendes Langholz zeigt, erinnert den General an einen in Ruanda erblickten „Fluss voller schwarzer Leichen, die Soldaten flussabwärts stoßen“.
Dominique Horwitz, einer der Hauptdarsteller des Spielfilms „Shooting Dogs“, der ebenfalls den Völkermord in Ruanda beschreibt, erklärte sich gerne bereit mit dem Autoren auf Lesereise zu gehen. Dem Schauspieler zuzuhören, wurde zu einem grandiosen Erlebnis. Dank der immensen Sprachgewalt des Autoren, konnte Horwitz alle rezitatorischen Register ziehen. Er verstand es die verzweifelnd leidende, innere Stimme des Generals glaubhaft zum Klingen zu bringen und die gebannt lauschenden, zumeist jugendlichen Zuhörer zu fesseln. „Was können wir tun?“, wurde am Ende der Lesung gefragt. „Meine Romanfigur Lissy, ist zum Beispiel Mitglied bei Amnesty International“, antwortete der Autor. „Wir können die Welt nicht retten, doch mit vielen Aktionen kleine, wichtige Zeichen setzen“, erklärte Dominique Horwitz.