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Menachem & Fred im Acherner Tivoli

Bewegende „Suche nach einem verlorenen Leben”
Matthias Uhlig wesentlich an der Herausgabe des Buches beteiligt


Achern/Sasbach(sp).„Menachem & Fred” machen sich auf die „Suche nach einem verlorenen Zuhause” und finden die „Scherben eines verlorenen Lebens”. Der preisgekrönte Dokumentarfilm „Menachem & Fred” ging unter die Haut, machte betroffen und nachdenklich und zeigte auf, dass das letzte Kapitel des Buches „Aus Hoffenheim deportiert” und die Geschichte der Familie des Synagogendieners Karl Mayer und der Kinder Menachem (Heinz) Mayer und Fred Raymes (Manfred Mayer) noch zu schreiben sind. Aber ein Anfang ist gemacht und es kam dazu, dass Menschen aufeinander zu gingen und sich versöhnten.

Dass der Film im Kino „Tivoli” lief und diesen Schüler der Realschule, der Haupt- und Werkrealschule und trotzt Schnee und Eis zahlreiche Erwachsene sahen, war der evangelischen Kirchengemeinde und deren ehemaligen Pfarrer Matthias Uhlig zu verdanken. Denn er war wesentlich daran beteiligt, dass die Geschichte der beiden Zeitzeugen des Holocaust in Deutschland öffentlich wurde und eine einmalige Wirkungsgeschichte über das mit dem Viktor Klemperer Preis ausgezeichnete Projekt „Sehen, was war - die Geschichte zweier jüdischer Brüder” der Heimschule Lender bis zu deren  Partnerschaft mit einem Gymnasium in Jerusalem nahm. So war es Matthias Uhlig, der sich während seiner Pfarrerzeit in Hoffenheim (1983 bis 1995) mit der Thematik befasste und 2003 das Buch mit dem Titel „Blühen bei Euch jetzt auch die Bäume” erhielt, das Jeanette Franke (Sasbach) ins Deutsche übersetzte. Doch bis dahin dauerte es einige Zeit, denn es ging um ein dunkles Kapitel in der Hoffenheimer Geschichte, in der der Name von Emil Hopp, Vater des TSG Hoffenheim-Mäzens Dietmar Hopp (SAP-Gründer) und seiner Geschwister erscheint. So war der Lehrer Emil Hopp auch SA-Truppführer, der in der „Reichskristallnacht” am 9. November 1938 mit anderen SA-Männern zur Synagoge marschierte, um Familie Mayer aus der Wohnung zu entfernen, die Thorarollen zu zerreißen und alles kurz und klein zu schlagen. Die Familien Hopp wollten den Namen ihres Vaters lieber streichen, wie der Film zeigt, doch die junge Generation von Menachem und Fred bestand darauf. Die Familien Hopp befürworteten und unterstützten dann die Herausgabe, Rüdiger Hopp besuchte 2004 die Familie von Fred Mayer in Florida und es kam zu einer Versöhnung und Freundschaft der Familien Mayer und Hopp führte. Im September 2005 besuchten auf Einladung der Familien Hopp 35 Mitglieder der Familien Mayer sowie die israelischen Regisseurinnen Ofra Tevet und Ronit Kerstner Hoffenheim, eine Gedenktafel wurde enthüllt und im Beisein von Matthias Uhlig das Buch vorgestellt. Hierbei entstanden auch Aufnahmen für den Dokumentationsfilm, der zutiefst betroffen macht über das, was die Familie Mayer und sechs Millionen Juden bis zum Tod in den Gaskammern erleiden mussten. „Wie konnte das alles an einem einzigen Tag enden? Deutschland, die geliebte Heimat. Unsere wunderbare Sprache, die Wiege unserer Kultur. Eben diese Heimat sagte zu uns: „Raus”, so Menachem Mayer. An jenem 9. November 1938 waren Fred neun und Heinz sechs Jahre alt, zwei Jahre später, am 22. Oktober 1940, wurden sie mit ihren Eltern und allen Juden aus Baden vertrieben und in das Konzentrationslager nach Gurs in Südfrankreich gebracht. Während die Eltern nach Auschwitz deportiert und getötet wurden, entkamen 48 Kinder dem Sterben, weil die Eltern bereit waren, sie in die Hände von Hilfsorganisationen zu geben. Darunter waren Menachem und Fred, die nach dem Krieg ganz verschiedene Wege gingen und sich 30 Jahre nicht wieder sahen. Die Briefe ihrer Eltern führten sie und ihre Familien wieder zusammen, doch der Film zeigt deutlich die gegensätzlichen Wege und die aktuelle Lebenssituation auf. Hier Menachems Familie in der Westbank in Israel und konfrontiert mit der tägliche Gefahr von Anschlägen und dem Konflikt zwischen Israel und Palästina. Dort Fred, der seine Heimat in Florida fand und nahezu alles aus seiner Vergangenheit bei Seite legte, auch seine „Muttersprache” Deutsch. „Offen gesagt, bereue ich es. Die Idee, dass wir über 70 Jahre noch einmal durchleben ohne ein einziges Jahr davon ändern zu können, ist nicht gerade reizvoll”, so Fred. Doch er ließ sich „aus therapeutischen Gründen” und „für die zukünftigen Generationen” darauf ein und es flossen viele Tränen aus seinen Augen. Am Ende des Films besuchen sie Auschwitz und gehen über die Gleise. Fred sagt den Satz: „Meiner Meinung nach ist Gott hier gestorben." Menachem sagt: „Der Gott, an den ich glaube, war nicht in Auschwitz."