Die musikalische Traumreise in die Antike - Lender-Schüler komponierten originelles Musical für mitreißende Aufführung
Zu einem Riesenerfolg für die Schüler des Lender-Gymnasiums wurde ein von Unterstufen-Schülern getextetes und komponiertes Musical "Die Reise nach Karthago" am vergangenen Wochenende. Mehrere Ensembles und Solisten unter Gesamtleitung von Ulrich Noss und Stephan Lung verknüpften das Wüstenabenteuer einer deutschen Familie mit der Zeitreise von fast 3000 Jahren ins antike Karthago.
Dort herrscht die Königin Dido, die sich in Äneas, den von Troja aus in Karthago gestrandeten Helden, verliebt. Den freilich bindet Jupiter an den Auftrag, Rom zu gründen - die Tragödie ist vorgezeichnet. Damit mochten sich die kleinen Textdichter aus Musikzug-Klasse 7a+b nicht anfreunden. In ihrer mitunter auch witzigen Musical-Version kommt es nach höchst spannenden Umwegen mit schief gelaufenem Attentat zur glücklichen Lösung: Äneas lässt Rom sausen und steuert mit der geliebten Dido auf einem geheimnisvoll bewegten Schiff "in ein fernes Land".
Die Stationen der Handlung beflügelten die Komponisten Lucas Fartaczek (7a) und Jonathan Eberle (7b) zu Großtaten, wenn man ihr kaum jugendliches Alter berücksichtigt. Lucas' munter vorwärts drängendes "Streitlied" sei als Beispiel genannt, wie rhythmisch-fordernd es aus über 100 Kehlen des Untersufen-Chors klang: "Wir wóllen weíterfáhren dúrch die Wüste bís ans Méer!" - Für den würdevollen Auftritt der Königin samt Hofstaat schuf Jonathan Eberle eine Art Schreit-Tanz aus effektvoll-feierlichen Mollklängen.
Zum Staunen war, welch enge atmosphärische Verbindung die ins Ohr gehende Musik zu den Textgedanken herzustellen wusste. Bereits in der mehrteiligen Ouvertüre (an der auch Philipp Bassler mitschrieb) stellte das zupackend aufspielende Instrumental-Ensemble das Töne-Spektrum vor: Leichtes Übergewicht der Saiten-Instrumente ließ sich durch vier dezente Bläser und die stets präsente Percussion des Samba-Schlagzeugs Conga und der Spanischen Trommel akzentuieren. Mal tänzerisch-schwungvoll, mal mehr in den liebevollen Emotionen von soft-jazz, aber auch festlich-spektakulär für die Königinnen-Fete beim "Weinlied" mit tüchtigen Jongleuren, Akrobaten, Tänzerinnen - so bunt aufgemischt gestalteten unterhaltsame Klänge den flüssigen Szenenverlauf des Musicals. Die Musiklehrer, unter ihnen auch 'Altmeister' Fredy Weber, versichern, dass ihre Hilfe beim Arrangieren nicht die melodische Substanz betraf -: Die stamme ganz aus Schüler-Köpfen.
Der erfinderische Eberhard Schreiber und seine begeisterungsfähige Bühnenbild-AG konstruierten einen drehbaren antiken Tempel, ein dahingleitendes Schiff, ein wüstentaugliches Auto, das Monumentalbild von Karthago. Nicht nur die auffallend schönen Kostüme (Beate Robrecht) wurden von Daniel Bollinger ins rechte Licht gerückt. Neben naturwissenschaftlichen sind es vor allem die musischen Fächer, in denen sich Schülerinnen und Schüler der Sasbacher Bildungsstätte zu oft preisgekrönten Leistungen inspirieren ließen. Dass aber Konzepte, Musik und Texte zu einem ganzen Musical in Schüler-Köpfen aus der Unterstufe entstehen konnten, war selbst für die kreativitätsverwöhnte Heimschule ein bisher noch nicht dagewesenes Fest der Musen. Die beiden nahezu ausverkauften Vorstellungen und der entsprechende Applaus zeigten allen Mitwirkenden, welch tolles Echo sie fanden.
az