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Polnische Schüler zu Gast in Sasbach

Fotos: sp

Polnische Schüler zu Gast in Sasbach
Anteilnahme an der Trauer der Menschen in Polen
Gegenbesuch im Mai dieses Jahres


Sasbach(sp). „Katyn hat zum zweiten Mal die Elite Polens begraben”. So wie Kewin Adamczyk aus Ozimek/Polen dachten alle Schüler und Lehrer aus der Partnerschule der Heimschule Lender, die noch bis zum Sonntag 18. April Gäste in Sasbach, Achern und den umliegenden Orten sein dürfen. Seit 1992 finden regelmäßige Schülerbegegnungen statt und in diesem Jahr war der Besuch der polnischen Jugendlichen überschattet von dem tragischen Flugzeugabsturz Smolensk, bei dem Präsident Lech Kaczynski und weitere 96 Politiker und hochrangigen Vertretern des Landes ums Leben kamen. „Was da passierte kann man mit Worten nicht beschreiben, das ist für uns alle ein großer Schock”, so Sara Sznajder, die damit die Empfing aller polnischen Gäste zum Ausdruck brachte. „Da ist etwas geschehen, was überhaupt nicht geschehen darf”.

„Dieses Unglück hat auf der ganzen Welt große Trauer und Betroffenheit ausgelöst”, so Rektor Edgar Eisele bei einem Gottesdienst in der Kirche des Seminars Sankt Pirmin, in dem die deutschen Gastgeber und ihre Freude aus Ozimek besonders den Opfern der tragischen Katastrophe gedachten. Wir möchten teilhaben an eurer Trauer und wir wollen für die Opfer beten”. Stellvertretend für alle Opfer war ein Bild des Präsidenten und seiner Ehefrau angebracht, ebenso die polnische Flagge, die auf Halbmast wehte und die ein Symbol für die Anteilnahme der deutschen Partner sein wollte. Jugendliche aus Ozimek sprachen Fürbitten in polnischer und deutscher Sprach und die Gäste sangen das Lied „Barka”, das Lieblingslied von Papst Johanns Paul II.

Neben dem Gedenkgottesdienst als Zeichen der Verbundenheit stand die „wielka tragedia” – die „große Tragödie” auch bei vielen Gesprächen im Mittelpunkt und es wurde deutlich, wie sehr die polnischen Freunde davon betroffen sind und wie die Trauer die Menschen in ihrem Heimatland vereint. Auch wenn manche mit der Politik von Lech Kaczynski nicht einverstanden waren, stehe bei der Trauer die menschliche Seite im Vordergrund, meinte Jacek Jablonski. Bei einer Gesprächsrunde wurde auch spürbar, wie kontrovers in Polen über die Ursachen dieser furchtbaren Katastrophe gerätselt wird, die im Zusammenhang mit einem leidvollen Kapitel der polnischen Geschichte steht. Denn in Katyn ließ der russische Diktator Stalin während des Zweiten Weltkrieges über 22000 polnische Menschen töten, die zu der Elite des Landes gehörten. Deshalb war das Unglück von Slomensk für die Polen doppelt tragisch, denn die Delegation war auf der Reise zu einer Gedenkfeier für die Opfer von Katyn. Die Schüler berichteten, dass nach dem Bekanntwerden des Unglücks alle sportlichen und kulturellen Veranstaltungen in Ozimek abgesagt und Gedenkgottesdienste gefeiert wurden. Der Bischof schrieb einen Brief, die Geschäfte schlossen früher als sonst und die Menschen wollten nicht glauben, was sie im Fernsehen und Radio hörten. „Es war eine Tragödie und es sollte eine Lehre sein für die Gesellschaft”, meinte Filip Brejwo.

Doch das Leben und die deutsch-polnische Partnerschaft zwischen der Heimschule Lender und der Zespol Szkol in Ozimek, zwischen der Pfarrei „Unserer Lieben Frau” in Achern und der Parafia in Ozimek gehen weiter. Dies in der Hoffnung, dass sie ein Beitrag für Menschlichkeit und Frieden zwischen beiden Ländern und in Europa sein mögen, wie Edgar Eisele im Gottesdienst betonte. Daran haben die deutschen und polnischen Jugendlichen mit ihren Lehrerinnen Klaudia Bukowska-Pajak, Miroslawa Bigas und Teresa Juros tatkräftig mitgearbeitet, die sich eine Woche lang in großer Offenheit begegneten und viel Freude miteinander hatten. Die Gastgeber hatten ein schönes Programm mit Fahrten nach Straßburg, Freiburg und Baden-Baden vorbereitet, es gab Begegnungen mit der Schulleitung, ein Empfang bei Bürgermeister Wolfgang Reinholz, ein Besuch im Kloster Erlenbad und ein Wiedersehen mit vielen Freunden in Sasbach und Achern. Denn aus den Hilfslieferungen der Pfarrei Achern in den 80er Jahren waren die Kontakte nach Ozimek und die Schulpartnerschaft der Heimschule entstanden, die im Mai beim Gegenbesuch von 30 Lenderschülern vertieft wird.