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Blog USA- Austausch 2009

Unsere Austauschfahrt nach Rangeview April 07
Abfahrt in Achern

Hier der Blog von unserem Trip nach Colorado und New York, den ich während der Fahrt hier veröffentlicht habe. Viel Spaß beim Lesen !

T. Fischer

 

Tag 1 (Freitag, 3.April 2009)

Der Transfer nach F war kein Problem, um 6 ging der Bus und dann durch ohne Behinderungen, aber mit viel Polizei unterwegs. Eingecheckt, dann Sicherheitskontrolle und los gings. Eisberge im Nordaltlantik, dann die völlig unbesiedelten Weiten Labradors aus dem Fenster sehend schließlich in eine Schlechtwetterfront. Ewige Warteschleifen und dann die Durchsage, dass JFK "closed down" sei - Umleitung nach Philadelphia und die Erkenntnis, dass wir unseren Anschlussflug nicht bekommen würden. Auf halber Strecke dann zurück nach NY, da der Flughafen wieder auf sei und gelandet. So weit so gut, denken alle, bis wir beim Umchecken erfahren, dass der Anschlussflug nach Denver einfach gecancelt wurde und man uns einfach nicht berücksichtigt hatte beim Umverteilen der Gäste. Einfach so !

Nach stundenlangem Warten, Organisieren und Drängen dann Aufteilung der Gruppe in zwei Teile: eine Gruppe mit mir würde nach einer Nacht im Flughafenhotel weiterfliegen, die zweite Gruppe mit Erika nach zwei Nächten ! Endloses Kofferschleppen, mittlerweile um Mitternacht deutscher Zeit und Einchecken im Holiday Inn, nur um festzustellen, dass da auch wieder alles schief gegangen war, wir keine Vouchers für den Transfer bekommen hatten (trotz Nachfragen !). Abendessen und ab in die Betten, nachdem wir es endlich geschafft hatten, den vergeblich in Denver wartenden Austasuchpartnern Nachricht zu geben. Wenn Deutschland eine Servicewüste ist, dann ist NY eine Dienstleistungsantarktis, so die erstaunte allgemeine Erkenntnis.

Tag 2 (Samstag, 4. April)

Gruppe 1 mit mir macht sich nach dem Frühstück auf. Der von mir organisierte Transfer kommt mit Packwagen für Koffer und - erst halten es alle für einen Witz - einer stretched limo wie frisch von den Oscarverleihungen. Die Schüler waren schwer begeistert, so nach La Guardia gefahren zu werden. Kurzer Flug nach Atlanta, wo wir in den Sommer aussteigen, und acht Stunden auf dem Flughafen zubringen müssen. Die Schüler ertragen das alles mit stoischer Gelassenheit, lesen ihre Reiselektüre, hängen rum und machen in der Flughafenlobby erste Erfahrungen mit amerikanischem fast food und restrooms. Dann weiter und - endlich - mal was Positives von Delta Airlines: da die zweite Klasse ausgebucht war, dürfen wir in der ersten Klasse fliegen (wo es aber auch nichts zu essen gibt). Mittlerweile 22h Ortszeit und tief in der Nacht deutscher Zeit kommen wir im tiefverschneiten Denver, mitten in einem Schneesturm an. Den für diesen Abend geplanten Besuch eines Proleague-Basketballspiels haben wir schon verpasst.

Tag 3 (Sonntag, 5. April)

Trotz vollem Jetlag bestehe ich darauf morgens die zweite Gruppe am Flughafen abzuholen. Tatsächlich klappt alles, alle Schüler sind mit Erika nach mittlerweile 60 Stunden Reisezeit angekommen, auch wenn erneut vergessen worden war, Plätze im Flug von Cincinatti nach Denver zu reservieren. Die Inkompetenz des Bodenpersonals kann mit Worten kaum noch beschrieben werden; anscheinend haben nur das energische Nachfragen von Erika sowie die Verzweiflungstränen einiger Schülerinnen noch Schlimmeres verhindert.

Abends dann ein erstes Zusammenkommen mit allen beteiligten Lehrern bei einem leckeren Essen bei Patrice.

Tag 4 (Montag, 6. April)

Erster Schultag, im klirrend kalten Colorado bei immerhin blauem Himmel. Wir werden mit visitor's badges versorgt und durch die Schule geführt. Alle Schüler scheinen sich gut eingefunden zu haben und es gibt (noch) keine Probleme. Unsere Schüler sind bei den gemeinsamen Deutschstunden vorbildlich, versuchen die Amerikaner so gut zu ermutigen, wie es nur geht. Uns allen aber geht das Gebäude sehr schnell auf den Wecker, die Tatsache einen ganzen Tag keinen Himmel zu sehen, scheint uns für Deutschland unvorstellbar. Wie muss unsere Schule auf die hiesigen Schüler wirken ???

Nachmittags dann ein sehr interessantes Hospitieren bei einer Englischstunde, wo Romeo und Juliet mittels interaktiver Tafel, Netbooks, multiple choice-Fragen und einer Art interaktivem Abstimmen mittel Fernbedienung vermittelt wird, noch dazu von zwei Lehrerinnen. Das ganze wird noch dazu von einer dritten Person evaluiert, die alle zwei Wochen Stunden besucht. Das ganze kostet Unmengen und wir denken, dass man mit einer Folie und etwas weniger Show mehr Effekt erzielt. Wir müssen ja nicht alles nachmachen. Aber sehr interessant, über den Tellerrand zu schauen !!!!

Abends dann bekomme ich eine Fahrstunde mit dem Dodge durch Patrice's Mann, ab sofort muss ich fahren, damit wir nicht immer den ganzen Tag festhängen. Das ganze ging natürlich nicht, ohne kurz in einer redneckbar vorbeizuschauen und über Pool Billiard, Karaoke Nights und angebliches "warm German beer" mit der Bedienung zu fachsimpeln.

Tag 5 (Dienstag, 7. April)

Erika und ich fahren in die Schule und assistieren wieder in mehreren Deutschstunden. Eins ist sicher: ich beschwere mich zu Hause nie wieder über unmotivierte und unkonzentrierte Schüler. Viel erbaulicher aber als die Unterrichtsstunden sind die sonstigen Arbeitsbedingungnen der Kollegen. Es wird klar, dass ein Gebäude, das für Ganztagesunterricht ausgelegt ist, völlig anders konzipiert sein muss, als unseres: wir schätzen das bestimmt 40 % der Fläche Vorbereitungs- und Rückzugsräume der Kollegen sind. Lehrer haben ihre Materialien hier und auch Zeit im Stundenplan eingeräumt um vorzubereiten. Wahrscheinlich 30 % der Anwesenden sind Cousellors und Verwaltungsleute. Trotzdem: tauschen wollen wir beide nicht.

Tag 6 (Mittwoch, 8. April)

Erst morgens erfahre ich, dass das heute angesetzte Frühstück in der Schule eine sehr offizielle Sache ist, bei dem sich der Superintendent sowie andere Persönlichkeiten des school board angesagt haben und außerdem wohl die eine oder andere Rede ansteht. Also schnell noch mal Kleiderwechsel und vor der Abfahrt schlaugemacht, was die wichtigste Namen und Titel sind, außerdem Stichworte zu ein paar "warmen Worten" notiert, bevor ich Erika abhole und wir in die Schule fahren. In der Bibliothek (zeitgemäß "media center" genannt) haben dann Randy und Dawn Mills, die ja auch beim Gegenbesuch mitkommen werden, schon alles aufgebaut. Alle Schüler sind da und sehr guter Dinge, wie sie mir erzählen.

In der Tat dann sehr offizielle Begrüßung und freundliche Begrüßung durch die gesamt Schulleitung. Man nimmt sich Zeit für uns und lässt uns merken, wie wichtig der Austausch für die Schule ist. Interessant ist allerdings, wie oft das Wort "diversitiy" in der Rede der Schulleiterin fällt - ethnische Vielfalt und der gegenseitige Respekt spielen hier natürlich eine viel größere Rolle als in Sasbach. Freundliche Dankesrede unsererseits (nicht ohne Hinweis auf den Neuanfang in Amerikas Politik) und Geschenkeaustausch, da gehts auch schon zum gemeinsamen Gruppenfoto, nachdem alle Deutschen Ausweise bekommen haben (die Sekretärin hatte mir doch tatsächlich einen freshman-Ausweis ausgestellt ! Nach einem kurzen Blick auf das Foto sieht sie dann aber ein: "No, that's not gonna work." und gibt mir einen Lehrerausweis).

Das Wichtigste aber ist allemal die Tatsache, dass die Schulleiterin einer benachbarten Highschool extra vorbeigekommen ist, um uns kennenzulernen und die Möglichkeit eines Austauschprogramms mit der Heimschule auszuloten. Klar, dass sie da bei uns offene Türen einrennt. Emailaustausch und das Versprechen "in touch" zu bleiben.

Tag 7 (Donnerstag, 9. April)

Nach einem weiteren Vormittag Schule geht es nachmittags nach Estes Park in die Rocky Mountains. Die Eltern der amerikanischen Schüler kommen mit, so dass sich da ein ziemlicher Treck Richtung Westen aufmacht. Dummerweise ist der Winter heute zurückgekommen und wir müssen kleidungstechnisch für alles gewappnet sein.

Leider brechen wir erst viel zu spät auf, sodass wir mitten im Feierabendverkehr loskommen. Es geht westwärts durch die noch graue Ebene ohne jeden Bewuchs. Man kann nur erahnen, wie das hier gewesen sein muss, als Millionen von Bisons die Weiden bevölkert haben -dafür ist heute alles voller Superstores enlang des Highways. Überhaupt hat die Zersiedelung der Landschaft unglaubliche Ausmaße angenommen. Man verschwendet was an ausreichend hat, und hier ist das halt mal Platz.

Nach dann schließlich drei Stunden Fahrt und einigen Verfahrern finden wir endlich den verschneiten Gebirgsort Estes Park, wo unsere Schüler mit ihren Partnern bereits Quartier bezogen haben. Noch mal Zimmer durchschauen und eine Besprechug für alle - woraufhin sich ein munteres "body-trick"-Zeigen entwickelt. Patrice beeindruckt alle mit Turneinlagen, wobei sich auch unsere Schüler nicht lange bitten lassen und Pirouetten, Spagate usw darbieten. Die deutschen Lehrer beeindrucken dabei durch gekonntes Zuschauen, wofür wir auch Bestnoten in Haltung und Ausdauer verdient haben, aber nicht bekommen.

 

Tag 8 (Freitag, 10. April)

Heute erwartet uns ein Highlight des Austauchs: Horseback Riding in der freien Natur. Die erste Gruppe mit mir macht sich um 9.30h auf und wird von einer Gruppe Cowboys, die wie aus dem Bilderbuch aussehen, eingewiesen. Bei der Frage, ob ich schon mal geritten bin, antworte ich (wahrheitsgemäß !): "a donkey, a camel and a pony". Hilft nix, ich krieg trotzdem ein Anfängerpferd. Dann gehts im Treck los, durch den netterweise leicht verschneiten Wald. Man vergisst dabei schnell dass wir ungefähr auf Höhe der Zugspitze sind, was auch das Atmen etwas erschwert. Man dehydriert schneller und muss auch mehr trinken.

Nachmittags fahren die mitgekommenen Eltern der amerikanischen Schüler die "kids" in das nette aber touristische Städtchen, wo man allerlei original Indianerschmuck made in China und mit etwas Glück auch mal was Echtes kaufen kann.

Nach dem Abendessen dann wieder etws ganz Besonderes: unter dem strenenklaren Himmel der Rocky Mountains gibts ein Lagerfeuer, zudem Marshmellows geröstet werden und dann anschließend noch ein Bingo. Die beiden Schülergruppen haben mittlerweile so gut zueinandergefunden, dass manche auf ihre Preise verzichten, um ihren jeweiligen Austauschpartnern ihren Bingogewinn zu überlassen. Schön, deswegen sind wir gekommen - mission accomplished.

 

Tag 9 (Samstag, 11.April)

Abreisetag von Estes, nicht ohne noch völlig sorglos grasendes Wild zwischen den Häusern gesehen zu haben. Schade, dass mir keine Elche begegnet sind. Vor der politisch bedenklich korrekten YMCA-Statue, die aus Kindern aller Ethnien in Kleidern der 40er-Jahre, welche das Village People-Video nachstellen, besteht, wird noch ein Gruppenfoto gemacht und dann mit den PKWs der Eltern bzw. der amerikanischen Schüler zurück.

Wir nutzen den Morgen noch zu einem kurzen Einkaufsbummel. Die Gesetze der Globlisierung werden auch hier deutlich: für ein und dieselbe Jeans (die wahrscheinlich in Asien hergestellt wird) bezahlt der Amerikaner weniger als ein Drittel des europäischen Preises und mit ziemlicher Sicherheit weniger als die Herstellungskosten, was dann am weltweiten Markt wieder kompensiert wird. Dafür weist uns der Händler hin, dass wir gerne auch online bestellen können, man würde die Jeans weltweit liefern.

Der Weg zurück führt durch eine wunderschöne Landschaft und Downtown Denver, wo wir gegenüber des Baseballstadions auf dem Dach einer Bar einen original LoDo (Lover Downtown) Burger verspeisen. Kaum zu Hause angekommen wartet Dana Mills schon, um uns in ein weiteres mexikanisches Restaurant auszuführen. Fazit. nächste Woche gibts nur Salat.

 

Tag 10 (Sonntag, 12. April)

Familienwochenende für alle Beteiligten. Nach einem Vormittag mit Korrekturen mache ich mich nachmittags mit Dana und Erika nach Colorado Springs, zum Garden of Gods auf.

Der Name verspricht in der Tat nicht zu viel: die steil aufragenden Felsen, die wohl durch Aufeinanderprallen verschiedener Erdplatten entstanden sind, sehen auch im Schneeregen spektakulär aus. Wie muss das erst im Sonnenuntergang an einem klaren Tag wirken ? Nach einem Spaziergang durch die surreale Landschaft noch eine Fahrt durch das beschauliche Manitou Springs mit wirklich tollen Beispielen amerikanischer Holzbauarchitektur geht’s dann im Osterrückreiseverkehr nach Denver zurück. Hoffentlich bekommen auch einige Schüler Gelegenheit das zu sehen !

 

Tag 11 (Montag, 13. April)

Heute zur Abwechlung ein ganz normaler Schultag. Erika und ich hospitieren in Deutschklassen, ich ziehe mich später zum Korrigieren in die Bibliothek zurück, was nur kurz von einem der monatlichen Feuerprobealarme unterbrochen wird. Allen Schülern geht es gut - was will man mehr ?

Abends gibt es ein kleines Diner bei den Mills, mit Riesenrindersteaks. Wir können nur erahnen, was solche Filetstücke in Deutschland kosten würden. Nach einer kleinen Vorführung von Dawns wunderbaren und sehr aufwändig gestalteten Quilts (die man sich ohne Weiteres als Kunstwerk an die Wand hängen könnte) dann nach Hause.

 

Tag 12 (Dienstag, 14. April)

Während die Schüler brav in der Schule sind, machen sich Erika und ich auf nach Brighton, um unsere neue Kontaktlehrerin der hiesigen Highschool kennenzulernen. Chermaine Huss ist Tochter eines Deutschen, der mit 15 Jahren in den 60ern in die USA auswanderte. Sofort fällt uns auf, dass die Gegend hier doch etwas ärmer ist als in Rangeview, dafür ist Deutsch hier unter den Schülern sehr beliebt. So kann Chermaine die ganzen Anfragen nach Deutschunterricht gar nicht bewältigen: der Autausch mit Brighton steht also auf festen Füßen, wir freuen uns auf ein Wiedersehen in Sasbach 2010. 

Erika überreicht ihre zahlreich mitgebrachten Geschenke, noch ein schnelles Abschiedsfoto und schon gehts wieder zurueck nach Aurora, wo wir einer Extravorstellung des "Stepclub" beiwohnen - unsere Schüler lassen sich auch nicht lange bitten, wofür es als Belohnung dann noch eine Pizza gibt.

So langsam macht sich unter den ertsen Schülern Heimweh breit - das ist der Sinn des Weggehens, sodass man sich wieder auf das Heimkommen freut.

 

Tag 13 (Mittwoch, 15. April)

Mit einem original amerikanischen Schulbus geht es heute nach Denver Downtown, wo wir zunaechst das Capitolgebaeude besuchen (natürlich nicht ohne flughafenartige Sicherheitskontrolle). Interessant das ansonsten transparente Verhältnis zur Demokratie: man kann durch ein großes Fenster in den Parlamentssaal schauen und fotografieren (während der Sitzung) und unbehelligt die Gespräche der Congressmen und der zahlreich vertretenen Lobbyisten beobachten.

Das ansonsten obligatorische Foto auf der Capitoltreppe (exakt eine Meile ueber N.N.) muss wegen einer Demo gegen Steuererhöhungen, die sich auf den zweiten Blick als eine hochnotpeinliche Anti-Obama-Kundgebung mit haarsträubend dämlichen Slogans erweist, leider entfallen.

Dann noch ein Kurzbesuch im sehr interessanten Denver Museum of History, ein wenig Einkaufen downtown und schon gehts wieder zurück.

 

Tag 14 (Donnerstag, 16. April)

Wieder schlägt das Wetter um; nachdem wir gestern strahlenden Sonnenschein hatten, können wir heute wieder unsere Regenkleidung rausholen. Nach der Schule fahren Erika und ich noch mal nach Downtown, um ein paar Sachen für die Englischfachschaft einzukaufen.

Abends dann gemeinsames Abendessen im "Trail Dust", einem Western-Restaurant. Alle Schüler sind mit deren Familien gekommen und haben auch artig wie gewünscht Krawatten angezogen. Nach einer kurzen Unterweisung in den wichtigsten Tanzschritten zeigen dann alle Beteiligten ihr Rhythmusgefühl zur passenden Countrymusik, bevor es dann ein tolles Abendessen gibt. Die Schüler haben wirklich Spaß daran !!

 

Tag 15 (Freitag, 17. April)

 

Nach einem weiteren Schultag, an dem unsere Schüler mit Ihren zu Hause vorbereiteten Referaten zur deutschen Landeskunde glänzen, geht es für alle in eine Familienwochenende. Die meisten Familien haben für dieses Wochenende so einiges an Ausflügen geplant.

 

Der geplante Wochenendtrip mit Dana und Erika nach Moab in die Wüste wird aufgrund des angekündigten Wintereinbruchs wohl ausfallen müssen. Wir beschließen also, abzuwarten, ob die Dinge tatsächlich so schlimm werden, wie vorhergesagt und morgen spontan zu entscheiden. Noch während wir in der Schule sind setzt das Schneetreiben ein und ist wesentlich heftiger, als erwartet. Binnen weniger Stunden fallen 40 cm Schnee – Grund genug, den 4-Radantrieb am familieneigenen Dodge auf dem Heimweg von der Schule zuzuschalten.

 

 

  

Tag 16 (Samstag, 18. April)

 

Statt Wochenendtrip also Einkaufsbummel, in diese Mall und jene. Da Tauwetter eingesetzt hat, hoffen wir morgen doch noch losfahren zu können – immerhin geht der Highway auf den Passhöhen auf knappe 3500 m. Abends beim Videoabend mit Scott sehe ich vom Fenster aus einen Fuchs unmittelbar vorm Haus über die verschneite Straße spazieren !

 

 

Tag 17 (Sonntag, 19. April)

 

Tatsächlich geht es heute los. Wir verkürzen die Reiseroute bis nach Glenwood Springs, einem Thermalbad mit Schwefelquelle, welche schon die Uteh-Indianer zum Stinken brachte. Auf dem Weg aber mein persönliches Highlight, eine Besichtigung der noch verschneiten weltbekannten Konzertbühne „Red Rocks“ am Fuß der Rocky Mountains. Gottweißwer hat hier schon gespielt, wie man sich im angeschlossenen Museum überzeugen kann.

Über den phänomenalen Glenwood Canyon auf einem wunderbaren Highway durch Bilderbuchlandschaft geht es dann nach Glenwood Spings, einem Kurort, der erst 1860 entdeckt wurde. Wir finden ein Motel und machen uns auf ins Thermalbad, wo wir nach Einbruch der Dunkelheit das warme Wasser genießen und uns im becken treibend die Sterne anschauen können.

 

Tag 18 (Montag, 20. April)

 

Morgens früh Aufbruch und noch ein paar Abschiedsgeschenke für die heute Abend anstehende Abschlussfeier mit den Eltern und Schülern besorgen. Erika kauft Unmengen Blumen, die sie dann im Alleingang fachfrauisch zu kleinen Sträußen bindet, welche die Schüler auf dem abends stattfindenden Abschiedfest den Müttern der Gastfamilien überreichen. Alle bis auf Julian, der wohl erkrankt ist, sind da und man kann sehen, wie gut sich die Gruppen mittlerweile gemischt haben - für einen Außenseiter nicht mehr zu unterscheiden, wer Amerikaner und wer Deutscher ist. Die Paare hätten wirklich kaum besser zusammen gestellt werden können; vielleicht aufgrund der Tatsache, dass die amerikanischen Schüler sich ihre deutschen Partner einfach selbst ausgewählt haben.

Sehr nette Abschiedsworte aller Beteiligten und durchaus Tränen in vielen Augen – sieht so aus, als seien ein paar Freundschaften geschlossen worden, die noch lange halten werden.

 

 

Tag 19 (Dienstag, 21. April)

 

Heute der letzte Schultag für alle Schüler und für uns. Wir verabschieden uns von allen Lehrern, die uns begegnen, auch Bobby, der Custodian bekommt von Erika noch ein Andenken und ist sichtlich gerührt.

Nachmittags heißt es Kofferpacken, da morgen der Flieger schon früh geht.

Abends laden wir alle beteiligten Lehrer zu einem Abschiedsessen ein (passenderweise zu einem Griechen).

 

Tag 20 (Mittwoch, 22. April)

 

So, heute kommt also der große Abschied. Mehr oder weniger pünktlich finden sich alle Schüler mit Begleitung am Flughafen ein. Herzlicher kann ein Abschied kaum ausfallen, fast jeder muss sich ein Tränchen wegwischen. Aber als Trost wissen alle, dass man sich schon in sechs Wochen wiedersieht. Das Einchecken verläuft seitens der Fluggesellschaft mal wieder nicht reibungslos, was uns mittlerweile aber kaum noch überrascht. Als schließlich alle an Bord sind, macht dann die Vorfreude auf Manhattan dem Abschiedschmerz Platz.

Nachdem ich einen Transfer organisiert habe und wir glücklich im Pennsylvania Hotel (angeblich das größte Hotel der Welt, sicher aber eines der größten) angekommen sind, durchsuchen wir alle erst unsere Betten akribisch auf Wanzen, was in Manhattan bei der Bevölkerungsdichte leider immer wieder ein Thema ist; Befund glücklicherweise negativ.

Mittlerweile ist es auch schon wieder abends, und wir machen uns auf ein erstes Erkunden der Umgebung auf. Zum Glück ist das Hotel äußerst zentral, und so können wir im Fußmarsch auf der Seventh Avenue den Time Square passierend, den Central Park erreichen. Über die seventh Avenue geht es dann zurück am Empire State Building vorbei wieder nach Hause. Dieser kleine Spaziergang war dann aber auch ca. 8 Kilometer lang - in NY ist eben alls ein bisschen größer. Für alle überwätigend ist die Vielfalt an Häusern, Gebäuden, Menschen, Farben, Autos - völliger Kontrast zum stillen mittleren Westen Colorados.

 

Tag 21 (Donnerstag, 22. April)

Heute steht volles Programm an; wir sind bloß zweieinhalb Tage da, und die Zeit soll so gut wie möglich genutzt werden. Nachdem wir uns erst einmal in der doch sehr unübersichtlichen U-Bahn orientiert und Tickets gekauft haben, kann es dann auch losgehen.

Zuerst machen wir uns auf an die Südspitze Manhattans um die Fähre nach Ellis Island zu nehmen. Nach stundenlangem Anstehen dann endlich auf die völlig überfüllte Fähre, wo wir aber Liberty Island mit der Freiheitsstatue auslassen. Seitdem man nicht mehr auf bzw. in die alte Dame klettern darf, genießt man sie besser vom Wasser aus. Dann auf die Einwandererinsel Ellis Island, wo so ziemlich jeder Einwanderer, der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ankam, durch den Einwanderungsprozess musste. Die Szenerie kenne ich von Filmen wie "Der Pate" sehr gut, wie überhaupt an allen Ecken und Enden Manhattans Aha-Erlebnisse auf uns warten. Die Ausstellung ist sehr interessant und informativ, leider aber haben wir nicht genug Zeit um das alles in entsprechend aufzunehmen.

Nachmittags dann geht es an der Wallstreet vorbei durch lower downtown bis zum Ground Zero. Die Arbeiten sind zwar mittlerweile fortgeschritten, doch viel ist von dem bis 2011 fertigzustellenden neuen World Trade Center noch nicht zu sehen. Die angrenzende Ausstelung zu den Attentaten 1993 und 2001 überzeugt durch erstaunlich milden Nationalismus und der Hinwendung zu den einzenlen Schicksalen. Tatsächlich ist fast nichts von den Zwillingstürmen übrig geblieben - der Druck und die Hitze beim Kollaps haben alles geschmolzen und miteinander verbacken. Die Fotos und die Vermisstenanzeigen von damals sagen aber dafür umso mehr aus. Kaum einer geht ohne Klos im Hals da wieder raus.

 

Tag 22 (Freitag, 23. April)

 So langsam wird es Zeit die Schülerreferate anzuhören - wir machen uns nach dem Frühstück auf in den Central Park, indem nun endlich auch der Frühling ausgebrochen ist, um die Referate in der Sonne sitzend anzuhören. Danach geht es den Park entlang zum Guggenheim-Museum. Schade, dass uns allen entgangen war, dass fast die gesamte Sammlung wegen Renovierung des Gebäudes ausgelagert ist und nur 20 % besichtigt werden können. Schade, denn es wären genug Alternativen möglich gewesen.

Dafür lohnt sich das nächste Museum umso mehr: das National History Museum (bekannt aus dem Film "Nachts im Museum") ist eine Riesensammlung, mit allem,w as der an Geographie, Gechichte und Biologie interessierte Mensch so sehen will. Leider ist auch hier nur Zeit, um einen kleinen Teil der riesigen Sammlung (z.B. Dinosaurierskelette und das Urmädchen "Lucy") anzuschauen.

Abends geht es dann auf den im wahrsten Sinne des Wortes Höhepunktz unserer Fahrt: die Aussichtsplattform des Empire State Buildings. Die erneuten Sicherheitskontrollen und das stundelange Anstehen nerven zwar, aber was für eine Entschädigung ist dann der Ausblick. Wir erleben Manhattan in der Dämmerung, die Millionen Lichter können durch Fotos kaum erfasst werden.

Als sportlichen Höhepunkt dann abends noch die Fahrt nach Brooklyn, um die Skyline noch jenseits des Flusses zu erleben. Der Marsch zurück über die Brücke ist dann länger, als der Eine oder die Andere gedacht hätte und endlich fallen wir gegen Mitternacht in unserer Betten, glücklich aber geschafft.

 

Tag 23 (Samstag, 24. April)

Abreisetag. Wir nutzen den Vormittag so gut wie möglich, und gehen in Little Italy frühstücken und laufen danach durch Chinatown zurück nach Downtown. Eine Gruppe macht sich dann mit Erika ins MoMa auf, ich gehe mit den Anderen ins Metropolitan Museum, das sich dann als definitiv zu groß erweist. Selbst im Stechschritt schaffe ich es nicht, in zwei Stunden jeden Raum einmal zu betreten, vieles kann man nur im Vorbeigehen aufnehmen, allerdings ist die durch private Spenden entstandene Sammlung auch schlecht gegliedert, man findet viele Exponate nur zufällig. Die aber sind wirklich sehenswert.

Gerade noch pünktlich am Hotel dann der Transfer zurück, das mittlerweile schon gewohnte Chaos beim Einchecken durch Delta und dann - endlich - im Flieger nach Deutschland, der aufgehenden Sonne entgegen.

Schön war's, interessant und lustig auch....und trotzdem sind alle froh, wieder die grünen Hügel unserer Heimat zu sehen, deren Frühling wir nun fast völlig verpasst haben. Trotzdem: jeder, wirklich jeder der Beteiligten, da bin ich mir sicher, würde sofort wieder auf die gleiche Reise gehen.