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Seit Beginn des Schuljahres 2004/2005 wird an der Heimschule Lender das sogenannte Biberacher Modell praktiziert. Das bedeutet, dass diejenigen Schüler, die sich für Latein als erste Fremdsprache angemeldet haben, ab Klasse 5 gleichzeitig in Latein (5 Wochenstunden) und Englisch (4 Wochenstunden) unterrichtet werden. Wer dagegen mit einer modernen Fremdsprache beginnt, hat wie bisher in Klasse 5 nur eine Sprache; die zweite Fremdsprache wird allerdings im 8-jährigen Gymnasium schon in Klasse 6 einsetzen, also ein Jahr früher als bisher. (Ab Beginn des Schuljahres 2007/2008 wird freilich jeder Schüler in Klasse 5 zwei Fremdsprachen haben.)
Das klingt zunächst so, als bedeute das Biberacher Modell eine große zusätzliche Belastung für die Schüler. In Wirklichkeit aber werden die Unterrichtsstunden im Laufe der Schulzeit nicht vermehrt, sondern nur anders verteilt. Einfach gesagt, geben in der Unterstufe einige Fächer Stunden an die Sprachen ab, um sie später von ihnen zurückzubekommen. So ist die Wochenstundenzahl einer þBiberacher Klasse- nicht höher als in einer "normalen" Klasse; auch auf die ganze Schulzeit gesehen haben alle Klassen gleich viel Unterricht.
Ziel dieser Umverteilung ist es, die Schüler in einer frühen Phase ihrer Schullaufbahn, in der sie noch sehr aufnahmefähig und lernwillig sind, verstärkt sprachlich zu fördern. Nicht zuletzt die viel zitierte Pisa-Studie hat gezeigt, welch entscheidenden Einfluss sprachliche Fähigkeiten auf den späteren Schulerfolg haben und wie wichtig daher frühe sprachliche Förderung ist. Es ist nun einmal so, dass der größte Teil dessen, was die Schule vermittelt, mit Hilfe der Sprache transportiert wird. Und daher sind Schüler auf Kompetenzen in Kommunikation und Sprachverständnis angewiesen.
Die Fächer Latein und Englisch bieten sich hier als eine ideale Kombination an, weil sie unter allen Schulsprachen (lässt man vielleicht das Altgriechische und das Hebräische beiseite) den größten Abstand zu einander besitzen. Sie unterscheiden sich in ihren Inhalten und Unterrichtsmethoden so gründlich, dass sie einerseits einander nicht in die Quere kommen, sich andererseits optimal ergänzen. So wird der Zugang zu dem Phänomen Sprache von zwei entgegengesetzten Seiten gleichzeitig eröffnet: Mit Latein von der analytischen, mit Englisch von der kommunikativen Seite.
Leicht vereinfacht könnte man das in folgende Übersicht fassen:
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Latein |
Englisch |
| Zielsetzung |
Analyse/Übersetzen von Texten |
Synthese: Kommunikation in der Sprache |
| Schwerpunkte |
Grammatik |
Sprachbeherrschung |
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Übersetzen |
Sprechen |
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Genauigkeit |
Kreativität |
| Argumente für frühen Beginn |
Latein ist Basissprache |
Die Aussprache läßt sich je früher desto leichter lernen. |
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Andere Fächer profitieren von frühem Lateinbeginn am meisten |
Die Offenheit zum Sprechen in der Fremdsprache ist noch größer. |
Das Feld "Fremdsprachen" wird so von zwei Seiten gleichzeitig erschlossen; dies verhindert nicht nur Einseitigkeit, sondern verspricht auch vielfältige Synergieeffekte. Latein und Englisch behindern sich nicht gegenseitig, sondern sie stützen einander. Wir gehen fest davon aus, dass diese ganzheitliche frühe Förderung in den Sprachen auch für die anderen Fächer hilfreich sein wird, denn Wissen und Aufgabenstellungen werden in jedem Fach über die Sprache vermittelt.
Dr. Th. Feigenbutz für die Fachschaft Latein
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