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Sensation: Lenderschülerin führt im Worldcup

(Foto sp) Innerhalb eines Jahres gewann Sandrina Hornhardt die Europameisterschaft und siegte nach drei World-Cup-Wettbewerben

Nach Europameisterschaft Siegerin im World-Cup
Riesenspaß beim Ritt auf der Welle
Sandrina Hornhardt gehört zur Weltspitze im Freestyle


Achern(esp). „Wenn ich in der Welle bin, vergesse ich alles um mich herum”. So Sandrina Hornhardt vom Kanuclub DJK Achern und die Begeisterung für einen tollen Sport ist der 16-Jährigen ins Gesicht geschrieben, die drei Wochen mit ihrem Freestyle-Boot zwischen Prag und Thurn unterwegs war und als World-Cup-Siegerin nach Mösbach zurückkehrte. „Paddeln ist eine Lebensphilosophie und ich habe die letzten drei Wochen mit vielen tollen Leuten so richtig genossen”, berichtete die sympathische Sportlerin, bei der es in ihrer noch jungen Karriere so richtig steil nach oben ging. Denn innerhalb eines Jahres folgte bei den Starts für den Badischen Kanuverband ein Erfolgs-Loop nach dem anderen, nachdem die Freestylerin 2008 den dritten Platz bei der Deutschen Meisterschaft belegte. Nach der Nominierung in die Deutsche Nationalmannschaft kam der völlig überraschende Gewinn der Europameisterschaft der Junioren im spanischen Ourense, als die talentierte Sportlerin international auf sich aufmerksam machte und hierzulande eine noch junge Fun-Sportart ins Gespräch brachte.
Im August standen World-Cup-Wettbewerbe auf dem Terminkalender von Sandrina Hornhardt und auch hier zeigte sie ihre Klasse in einem Teilnehmerfeld, das mit Starten aus europäischen Ländern sowie Japan, Australien und den USA besetzt war. Beim ersten Wettbewerb in Prag/Tschechien belegte sie einen dritten Platz, es folgte ein Sieg in Augsburg und erneut ein dritter Rang in Thun/Schweiz, was in der Summe den ersten Platz in der World-Cup-Rangliste der Junioren bedeutet. Somit hat Sandrina Hornhardt einige Erlebnisse aus den Sommerferien zu berichten, wenn die Zehntklässlerin der Heimschule Lender ihre Klassenkameraden trifft und mit einem „Double Pump” in das Schulleben eintaucht.
Kanu-Freestyle gibt es ab den 80er Jahren und die ersten offiziellen Welt- und Europameisterschaften fanden ab 2006 statt, mittlerweile ist die Sportart im internationalen Fachverband anerkannt. Beim Freestyle geht es nicht darum, eine Wildwassertrecke zu befahren oder Tore mit- oder gegen den Wasserlauf fehlerfrei zu passieren, sondern auf einer Welle oder Walze möglichst viele und technisch anspruchsvolle Tricks zu zeigen. Wie etwa den Lieblingstrick von Sandrina Hornhardt, einen Loop, bei dem die vordere Seite des Bootes so tief wie möglich unter Wasser gebracht und die Auftriebskraft in Koordination mit dem Körper so optimal genutzt wird, dass ein Salto geschlagen wird. Andere artistische Elemente beim Ritt auf der Welle sind Figuren (Moves) wie Cartwheel, Kickflip, Pan Am, Pirouette oder Splitwheel, bei denen mit und ohne Paddeleinsatz Drehungen um die drei Achsen erfolgen. Konzentration, Körperbeherrschung und hohes technischen Können sind erforderlich, um die Tricks mit dem Spin-Boot in der festgelegten Zeit und in einer bestimmten Anzahl von Läufen zu zeigen. Umso beeindruckender ist es, dass sich Sandrina Hornhardt erst seit einem Jahr intensiv mit Freestyl beschäftigt und gleich in die Weltspitze fuhr. Seit 2004 sitzt Sandrina Hornhardt im Kanu, ihre Eltern Elisabeth und Wolf Hornhardt fahren Wildwasser und ein Bekannter ist Freestyl-Trainer, der die Lunte für die Loops legte. „Er hat gesehen, dass ich das machen will”, meinte Sandrina Hornhardt, die mit ihren Erfolgen bei den Jugendlichen vielleicht einen neuen Boom im hiesigen Kanusport auslöste. Denn gemütliche Wanderfahrten auf dem Altrhein ist für Jugendliche zu „uncool”, während Kanu Freestyle mehr ist als „nur” paddeln. „Das hat mit Spaß, Natur, Wasser und tollen Leuten zu tun”, meinte Sandrina Hornhardt, der das Sporttreiben mit Loops auf der Welle und unter dem blauen Himmel einen Riesenspaß macht. Auch die freundschaftliche Atmosphäre wie bei den World-Cups, das einfache Leben auf einem Camping-Platz und das familiäre Feeling unter den Paddlern sind Dinge, die den Spaßfaktor bereichern. Das Problem ist nur, dass sie zum Training Wellen in der Murg bei Forbach oder in Augsburg aufsuchen muss und es in der hiesigen Umgebung keine Möglichkeiten gibt, den Cartwheel zu üben. „Mit wenig Geld wäre da viel zu machen”, meinte Wolf Hornhardt. Dennoch geht der Blick nach vorne, denn im Herbst und im nächsten Frühjahr steht die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2009 an und da will Sandrina Hornhardt dabei sein. Ob der große Traum von Olympia Wirklichkeit wird, steht noch aus. Aber es gibt Initiativen des Verbandes, um Kanu Freesytle in das olympische Programm aufzunehmen.