Mit Elan steilauf zu Beethoven - (Mit jugendlichem Elan ...)
Fünf verschiedene Ensembles des Lender-Gymnasiums spielen zu einem Gratis-Konzert auf Noch unter dem Eindruck der Ereignisse in Württemberg begrüßte am Freitagabend OStDir Grossmann die vielen Zuhörer beim Konzert mehrerer Ensembles des Lender-Gymnasiums. Zwischen den Musikdarbietungen und auf verschiedenen Schauplätzen der Aula stellte eine Theatergruppe Szenen dar, die um den Gegensatz "Sicherheit" und "Freiheit" kreisten: Ein Widerstandskämpfer und ein Staatsanwalt als sein Gegenspieler waren Exponenten der dramatischen Handlung. Dramatischer als Beethoven komponierte bis dahin niemand in der Musikgeschichte. Seine Sinfonien sind keine Auftragswerke mehr, sondern kühne Schritte zur Erringung eines Bildes vom Menschen, der sich zum Individuum durchkämpft. Dirigent Ulrich Noss erarbeitete mit viel Mut und Einfühlung in die jugendliche Entdeckerlust den 1.Satz aus der Fünften, der "Schicksalssinfonie". Der darin angelegte Prozess meint die trotzige Auflehnung gegen ein Verhängnis. Mit elementarer Kraft, wie mit dem Hammer geschlagen, durften Streicher, Bläser und Schlagzeug das Kopfthema angehen und vorwärtstreiben, es dissonantisch zuspitzen, es vorübergehend von klagenden Holzbläserstimmen reflektieren lassen, ehe es in zorniger Erregung zum c-moll zurückkehrt und abbricht. Auch wenn nicht jede Nuance wie im Staatsorchester klang: Die jungen Menschen (und die Zuhörer, die nicht mit Beifall geizten) lernten das Gebirge Beethoven aus unmittelbarer Nähe kennen, seine Hochtäler, seine Abgründe. Wie hatten die Lender-Sinfoniker diesen Gipfel angesteuert? Zu Beginn waren die Bläser unter sich. Auch hier schon mit heftigen Schlagzeug-Akzenten und schmetternd-schwungvoll, intonierten sie die "Jubel-Ouvertüre" von Frank Erickson. Meeresrauschen von Bläser-Akkorden umwogte danach die Zuhörer: "Le Mont Saint Michel", auch in der Realität vom höheren Meeresspiegel umbraust. Ob der Komponist Serge Lancen mit dem überraschenden Debussy-Zitat aus "La Mer" die bedrohliche Entwicklung andeuten wollte? Ohne Taktsock, dafür mit rhythmisch nachgestaltenden Händen, dirigierte Dagmar Brenner souverän noch Vaughan-Williams' "Folk SongSuite" mit klar gebietendem Marschtakt und sauber modellierten Tempo-Veränderungen. Sie wurde samt ihrem gewaltigen, aber fügsamen Klangkörper lebhaft gefeiert. Darauf dämpften die Streicher von Ulrich Noss den Klangpegel zu romantisch verhangenen, träumerischen Akkorden in der zarten Adagio-Einleitung zu Mendelssohns Streicher-Sinfonie h-moll. Sie war ebenso sorgsam vorbereitet wie das zeitgenössische Bläserquintett für Flöte, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott. Besonderes Ohren- und Augenmerk verdiente sich das Streichquartett der Heimschule: Auf einer Seitenbühne zelebrierte es mit Haydns Quartett-Satz ("Poco Adagio") unsere Nationalhymne. Haydn reicht den vier Instrumenten nacheinander das Thema, während die jeweils anderen piano ein Figurenwerk errichten, dem in der Aula-Akustik kein Detail entging. Da konnte man, die Worte der Theaterleute noch im Ohr, über unser Täter- und Opfervolk meditieren. Die immer wieder erstaunlichen Leistungen der jungen Menschen fügten sich zu einem überaus erfreulichen Gesamtbild des musischen Lebens an dieser Bildungsstätte zusammen. Es war einfach schön zu beobachten, wie in einer Atmosphäre wärmender Pädagogik für musikinteressierte Jugendliche die Erwartungen der Zuhörer erfüllt und übertroffen wurden. az