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Spanier unterrichtet an der Lender (ABB Juli 2010)

Foto:sp

Spanier unterrichtet an der Lender
Mit der Spanien-Flagge in den Unterricht


Sasbach(sp). „Ich gehe in das Klassenzimmer, lege die spanische Fahne auf den Tisch und mache ganz normal Unterricht”. Doch „ganz normal” dürften die ersten Minuten Spanischunterricht für Oscar Vilchez aus Cadiz im schönen Andalusien nicht abgelaufen sein, nachdem „seine” Mannschaft das deutsche Team besiegte und zum ersten Mal in der Fußballgeschichte in ein WM-Finale einzog. „Ich bin auf die Reaktionen der Schüler vorbereitet”, meinte Oscar Vilchez schmunzelnd zu seiner kleinen und harmlosen Provokation, denn immerhin haben die deutschen Schüler vor dem Halbfinale auch kräftig ausgeteilt. Von klaren Ergebnissen wie 4:0 und 4:1 gegen die „Selección Española” war da die Rede, verbunden mit dem sportliche „fairen” Niederlagen-Tipp: „Wenn es ihnen schlecht geht, bleiben sie einfach zu Hause. Wir bekommen dann eine Vertretung”.

Doch diesen „Spielzug” musste Oscar Vilchez in den Tagen danach nicht anwenden, der nach dem glänzenden Sieg der technisch blitz sauber spielenden „Furia Roja” berechtigt wie ein stolzer Spanier seinen Unterricht hielt und auch tröstende Worte für seine Schüler bereithielt. „Es gab in Spanien großen Respekt vor den Deutschen”, so Oscar Vilchez, der es nach dem fantastischen Auftreten der Löw-Kicker gegen England und Argentinien nicht verstehen konnte, was gegen Spanien auf dem grünen Rasen ablief. „Was war mit den Deutschen los, hatte die Angst oder waren sie taktisch falsch eingestellt?” Die Antwort muss das deutsche Team finden, in Spanien wurde nach dem historischen Einzug in das WM-Finale kräftig gefeiert und nach dem Spiel gab es die ersten Jubelkontakte in seine spanische Heimat. „Was die Politiker nicht schaffen, macht der Fußball: er eint die spanische Nation”. Damit spielte er auf die regionalen Dissonanzen an, die sich in der Vergangenheit auch auf die Nationalmannschaft und der Zusammensetzung  der Spieler auswirkte.   

Höchste Spannung war auch vor dem Fernseher im Hause Vilchez angesagt. Denn Oscar Vilchez ist getreu seinem Geburtsort auch begeisterter Fan von Barcelona, seine Ehefrau Angela ist Deutsche und schwärmte für die Jungs mit dem Adler, während die Tochter den Spaniern und der Sohn den Deutschen die Daumen drückte. Da kann man sich gut vorstellen, welche Stimmung und Dramatik sich vor dem Fernsehgerät abspielte und wie enttäuscht die andere Seite war. Doch sportlich fair  wurde Spanien klar als die bessere Mannschaft gesehen und beim Kaffee am nächsten Morgen war die Welt wieder in Ordnung. „Ich habe auch große Sympathien für die deutsche Mannschaft”, erklärte der Spanischlehrer der seit zwei Jahren an der Heimschule Lender unterrichtet. Den Erfolg der spanischen Mannschaft führte er darauf zurück, dass alle Spieler seit vielen Jahren große Erfahrungen in ihren Clubs und vor allem in der Champions Leaque sammelten und schon lange in der Nationalmannschaft zusammenspielen. Entscheidend war auch, dass bereits Trainer Luis Aragones vor dem Gewinn der Europameisterschaft 2008 ein Team formte, das nun unter Vicente del Bosque Geschichte schrieb und etwas erreichte, was die Politiker noch nicht schaffen: „Beim Fußball sind wir eine Nation, wir sind alle Spanier und die Nationalmannschaft steht an erster Stelle”. Sein Tipp für das bevorstehende Endspiel, morgen, 11. Juli, um 20.30 Uhr lautet: „50:50”. „Beide Mannschaften haben noch keine Weltmeisterschaft gewonnen und Spanien steht zum ersten Mal in einem Finale, das wird spannend”.