Narrenschiff war mit Pointen beladen
"Black Comedy" mit Schülern der Heimschule Lender / Tosender Applaus
(ABB 21.11.05)
Sasbach. Die Aula der Heimschule Lender wurde am Freitag von epidemieartigen Lachsalven erschüttert. Mit der glänzenden Inszenierung von Peter Shaffers „Black Comedy“ gelang dem mit tosendem Applaus gefeierten Schülerensemble ein großer Wurf.
Auf der Heimschule Lender blüht seit jeher das Theaterleben. Neben den jährlich von Lehrkräften inszenierten Stücken, haben auch Eigenregieprojekte Tradition. Jetzt fand sich erneut ein vom Theaterspiel begeistertes Ensemble. Acht Schüler der Klassen 10-13 opferten für Monate ihre Freizeit um Shaffers „Black Comedy“ einzustudieren. Der auch unter dem Titel „Komödie im Dunkeln“ bekannte Lachschlager, gehört zu den Klassikern des Boulevardtheaters. Weltweit bekannt wurde Shaffer durch seinen Bühnenhit „Amadeus“ der ihm 1985 einen Oscar für das beste Drehbuch einbrachte.
Die 1965 uraufgeführte „Black Comedy“ arbeitet mit einem alten Bühnentrick bei dem der Beleuchter besonders gefordert ist. Das Stück beginnt in völliger Dunkelheit. Der abgebrannte Künstler Brindsley (Christopher Striebel) und seine Verlobte Carol (Ramona Parino) haben gerade die Prachtmöbel ihres Nachbarn in die Wohnung geschafft. Das Duo ist in heller Aufregung hat sich doch hoher Besuch angekündigt. Ein steinreicher Kunstsammler (Marcel Meyer) will vielleicht Brindsleys Plastiken kaufen. Außerdem ist Carols Vater, Colonel Melkett (Björn Siller) geladen, der seinen Schwiegersohn in Spe unter die Lupe nehmen möchte. Ein unerwarteter Stromausfall versetzt das Liebespaar in Panik. Für die Zuschauer beginnt jetzt der Spaß: Während die Schauspieler buchstäblich im Dunkeln tappen, ist die Bühne hell erleuchtet. Erscheint später für kurze Momente das Licht eines Streichholzes oder gar einer Taschenlampe verdunkelt die Regie augenblicklich die Szenerie.
Das Chaos nimmt wie folgt seinen katastrophalen Lauf. Nach dem Erscheinen des mit militärisch-zackigen Gehabe auftretenden Colonel, betritt Miss Furnival (Janine Seiler) eine altjüngferliche Nachbarin den Raum. Die Temperenzlerin entdeckt ihre Liebe zum Alkohol und lässt sich im Laufe des Stücks „heimlich“ vollaufen. Zum Schrecken Brindsleys kommt sein Freund, der homosexuelle Antiquitätenhändler Harold (Lukas Hey) hinzu, dessen entliehenes Mobiliar überall herumsteht. Außerdem schleicht sich heimlich Clea (Melanie Schmidt), die abgehalfterte Freundin des Künstlers ein, die das vielschichtige Beziehungsdrama drastisch verschärft. Während nämlich Brindsley verzweifelt versucht die Möbel im Schutz der Dunkelheit aus der Wohnung zu schaffen, muss er noch nebenbei seine Liebesprobleme mit den beiden Frauen und dem Antiquitätenhändler klären. Um den Irrsinn zu komplettieren erscheint schließlich der Mann vom E-Werk (Tim Weberling), der mit dem erwarteten Multimillionär verwechselt wird.
Das bis zur Reling mit Pointen beladene Narrenschiff wird von den Lenderschülern bravourös auf Kurs gehalten. Die Rollen sind kongenial besetzt. Jeder verdient für sein Spiel höchstes Lob und Anerkennung. Sicher gab es darstellerische Unterschiede, doch die fallen dank der glänzenden Ensembleleistung nicht weiter ins Gewicht. Es bleibt zu hoffen, dass noch viele Zusatzaufführungen folgen. Da Lachen die körpereigene Immunabwehr aktiviert, Glücks- und verjüngende Wachstumshormone ausschüttet und sogar die Kreativität befördert, ist der Besuch der „Black Comedy“ allein aus gesundheitlichen Aspekten mit Nachdruck zu empfehlen. Bei den lautstark und enthusiastisch applaudierenden Premierenbesuchern wirkte die Medizin. Sie verließen die Lender-Aula in allerbester Stimmung.
von Wolfgang Winter