Irrwitzige Überraschungen
Lustspiel "Die Liebe ist ein seltsames Stück" ließ über 300 Besucher in die Lender-Aula strömen (ABB Dez 05)
Mit dem Lustspiel „Die Liebe ist ein seltsames Stück“ ist Malte Bartz und Adrian Keller ein brillantes Theater- Highlight gelungen. Die Textautoren und Schauspieler wurden in der Lender-Aula mit enthusiastischem Applaus gefeiert.
Kaum gefüllte Besucherränge vor Augen forderte der bayerische Komiker Karl Valentin einen staatlich verordneten „Theaterzwang“. Die „Allgemeine Theaterbesuchspflicht“ sollte bereits im Kindesalter beginnen. Die Heimschule Lender kommt zum Glück ohne Zwangsmaßnahmen aus. Hier hat das Theater längst eine feste Heimstatt gefunden. Neben den von Lehrern inszenierten Aufführungen finden sich über Jahre Schüler die in ihrer Freizeit eigene Produktionen auf die Beine stellen und das kulturelle Leben des Umlands bereichern. Auch Malte Bartz (Achern) und Adrian Keller (Sasbach) gehören zu den Theaterverrückten, die während ihrer Schulzeit in zahlreichen Stücken mitwirkten. Inzwischen studiert Bartz in München Theaterwissenschaften, Keller Deutsch und Geschichte in Freiburg. In der Acherner Künstlergruppe „Hobbyfirm“ fanden sie eine Plattform für weitere Auftritte. Ihre beim letzten „Sunset-Festival“ uraufgeführte Komödie „Die Liebe ist ein seltsames Stück“, zog leider nur wenige Zuschauer in die Hornisgrindehalle. Umso erfreulicher, dass in der Lender, trotz eines angemessenen Obolus und ganz ohne „Theaterzwang“ über 300 Besucher in die Aula strömten. Sie erwartete ein ungetrübtes, über 90-minütiges Lachvergnügen. Das Autorengespann Bartz/Keller verknüpfte höchst geschickt vier Sketche aus Ken Campbells „Mr. Pilks Irrenhaus“ mit einer originellen Rahmenhandlung, erdachten Lieder und Tanzchoreographien und fügten weitere, selbst geschriebene Passagen ein. Ein echter Knaller ist zum Beispiel eine Szene bei der 70 Sprichwörter so kunstvoll miteinander verbunden sind, dass sich bei dem durchaus „vernünftigen“ Dialog, die Besucher hemmungslos vor Lachen biegen. Die halbjährige Arbeit am Text lohnte, schließlich kam ein Stück heraus, das neben der Jung und Alt ansprechenden Komik auch intellektuell befriedigt. Bei Campbell vermischen sich die Grenzen zwischen Normalität und Wahnsinn, die Wirklichkeit wird auf den Kopf gestellt. In der heißen Phase des Verliebtseins ist es ähnlich, erkannte das Autorenduo. Bei ihnen trifft der Psychiater Siegfreud Mund (Malte Bartz) auf Wolfram von Göde (Adrian Keller). Der ist hoffnungslos in Dieda von Dort (Mechthild Jaus) verknallt. Der selbstbewusste Mund erteilt dem schüchternen Göde Ratschläge wie er Dieda herumkriegen kann. In den blitzschnell wechselnden Tableaus erwartet die Zuschauer bis zum glücklichen Happy End eine irrwitzige Kette von Überraschungen. Sprachliche Drahtseilakte, wie die Szene „Der eine vergisst immer was er sagt und der andere sagt immer das was der andere auf das was er gesagt hätte antworten würde“, werden von Keller/Bartz grandios in Szene gesetzt. Dank ihrer glanzvollen schauspielerischen Leistung, wachsen in den Nebenrollen auch Mechthild Jaus (Baden-Baden) und Jens-Ole Bartz (Achern)über sich hinaus. Kurz, das durchaus philosophisch endende Lustspiel hat das Zeug zum kultigen Kassenschlager. Auf Grund der begeisterten Resonanz sind weitere Aufführungen in der Region geplant. Lender-Direktor Hubert Müller, der den Künstlern für die Proben kostenlos die Theaterbühne im neuem Kulturhaus zur Verfügung stellte, strahlte und erklärte glücklich: “Ich habe mich köstlich amüsiert“.
von Wolfgang Winter