Ein Fest komödiantischer Sprechstimmen
Shakespeares "Wie es euch gefällt" im Lender-Gymnasium
Großes Theater am Lender-Gymnasium: In einer alle akustischen und optischen Kräfte bündelnden Anstrengung vereinte Shakespeare die Theater-Begeisterten am Freitag und Samstag zur dreistündigen Komödie "Wie es euch gefällt". Die Zuschauer feierten die ausverkaufte Premiere zehn Minuten lang mit Ovationen.
Beginnen wir mit den farbenreichen Stummen: Kostüme von in Sasbach nie gesehener barocker Pracht verhalfen den Akteuren zu erstaunlichen ästhetischen Wirkungen. Und der stumme Wald: Was Bühnenbildner Eberhard Schreiber und sein Dutzend halbwüchsiger Künstler entworfen, gesägt, gehämmert, geleimt, gemalt und ausgeleuchtet haben, konnte sich mit teuer subventionierten öffentlichen Bühnen messen. Die warmen, differenzierten Grüntöne, die große bergende Dachform des Geästs, schließlich die vertiefte Version mit Bach und idyllischen Ruheplätzen waren eine Augenweide. Sogar an Bäume im Zuschauerraum heftete Orlando seine verliebten Verse, mit denen er stumm um Rosalinde warb. Denn "kein Wort bracht' ich heraus", so klagt er, nachdem er die Schöne zum ersten Mal gesehen hat.
Damit gelangen wir zu den Redenden. Der bezwingende Charme der jungen Stimmen, ihre sorgfältig angeleitete impulsive Fantasie, entfaltete die Tongebung, mit der sie das Publikum gewannen. "Liebe auf den ersten Laut" (statt Blick) - war es nicht die Reaktion der Zuhörer, als sie den Stimmen von Celia, Jacques, Orlando, Narr Probstein, Adam, Rosalinde lauschten? Da nennen wir nur die unvergesslichsten unter den vielen vortrefflichen Bühnenstimmen. Darüber hinaus genossen die Zuhörer die Anmut und Leichtigkeit, mit der die Sprech- sich zu Singstimmen erhoben: Gewiss auch ein Verdienst von Bärbel Anstett, die als vielbeschäftigte Dirigentin von zwei kleinen Orchestern (eins barock, eins modern) alle musikalischen Beiträge in Händen hielt. Höhepunkte waren an zwei Aktschlüssen opernähnliche Ensemble-Gesänge.
Mit der Teilung der Welt in "Die Guten im Walde" und "Die Bösen bei Hofe" versöhnten in der Reihe der letzteren die wundervoll gespielten Höflinge Le Beau und L'Oiseau, die Pagen, ein Preisringer mit athletischer Körpersprache und der köstlich wacklige Adam. Übersichtlich klärte das Programmheft alle Verkleidungen und Herzenswünsche, die Shakespeare zu manch burlesker Komik verzwirbelt. Als des Autors Miterben organisierten Manfred Keller und Annette Preuß die viel bewunderte Regie-Arbeit der märchenhaften Komödie.
Viel Schmunzeln erregte das Paar im Zentrum der Handlung, Rosalinde und Orlando. Ihre temperamentvolle Darstellung hielt das Publikum durch alle Windungen hindurch in Atem. Den größten Lacherfolg erntete die Kommentierung ihrer Gefühle durch den Narren: Rosalindes Bedürfnisse reizen ihn zu deftigen zoologischen Späßen. Und warum holt sich der um Erhörung bettelnde Schäfer bei Frau Schäferin eine so schneidend-schnippische Abfuhr? Weil sie sich, nicht wenig verblendet, einen andern (aber keinen echten) Mann einbildet. Bis Celia - Inbegriff weiblicher Anziehung - zu Oliver findet, muss dieser sich freilich erst zum Engel läutern. Und wieder der Narr: Auch er reiht sich unter die "kopulationswütigen Paare" und strebt zur derben Käte, will jedoch, eine nichtkatholische Variante, "am Ehestand nur knabbern"...
So räsonieren sie über Leidenschaft oder bloß Mitleid, toben oder schmachten, gebärden sich ritterlich-höfisch bis zum Kniefall oder kalauern in gestelzten Wendungen, bis ein alle Spannungen lösendes Tanzspiel die Paare sortierte und das ganze Geschehen vor und auf der Bühne rhythmisch verzauberte.
az