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Zeitzeuge aus Israel an der Heimschule Lender

Foto: sp Eintrag ins Goldene Buch der Heimschule Lender – v.l.n.r. Schulleiter Lutz Großmann, Menachem Mayer und Pfarrer Matthias Uhlig, der Mitherausgeber des Buches „Aus Hoffenheim deportiert” ist

Menachem Mayer wurde aus Hoffenheim deportiert

Sasbach(HL). Als 1940 die badischen Juden aus Deutschland deportiert wurden, war auch Menachem (Heinz) Mayer darunter. Fast auf den Tag genau 68 Jahre nach diesem schrecklichen Erlebnis kehrte er nach Deutschland zurück, besuchte die Heimschule Lender in Sasbach und war bei einem Gespräch mit den Zehntklässler ein wertvoller Zeitzeuge der damaligen Ereignisse. Diese haben die Brüder Heinz und Manfred Mayer in dem Buch „Aus Hoffenheim deportiert” festgehalten, das Schülern der Heimschule Lender 2006 als Grundlage für ein mit dem Victor-Klemperer-Preis ausgezeichnetes Musik-Theater-Projekt diente.  

Heinz und Manfred Mayer sind die Kinder des Synagogendieners Karl Mayer und seiner Frau Mathilde und erlebten in ihrer Kindheit die Zerstörung der Synagoge, die Deportation   nach Gurs und die Trennung von den Eltern, die in Auschwitz ermordet wurden. Rund 1000 Kilometer südlich an der französisch-spanischen Grenze setzte man die Kinder aus. Im Barackenlager Gurs, der Kälte und dem Regen schutzlos ausgesetzt entkamen einige Kinder dem alltäglichen Sterben, weil die Eltern bereit waren, sie in die Hände von Hilfsorganisationen zu geben. Heinz Mayer und sein Bruder Manfred, acht und 11 Jahre alt wurden aus dem Lager gerettet.

Wie kann man mit diesen traumatischen Erlebnissen weiterleben? Nach Deutschland war Dr. Menachem Mayer gekommen, weil das Buch mit seiner Lebensgeschichte „Aus Hoffenheim deportiert” in 2. Auflage der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Außerdem wurde der Dokumentarfilm „Menachem und Fred” beim Filmfestival in Hof uraufgeführt. Dazwischen war Premiere an der Heimschule Lender. 2005 hatte Dr. Mayer den Schüler erlaubt, seine Lebensgeschichte als Grundlage für den Viktor Klemperer Wettbewerb zu nehmen. Einige Schüler kannten Dr. Mayer von der Israelreise 2007. Aber in der Schule war er zum ersten Mal,
170 Schüler der Klassen 10 waren eingeladen, um mit ihm ins Gespräch zu kommen. Die Fragen  wollten kein Ende nehmen. Wie haben sie die Reichskristallnacht vor 70 Jahren erlebt, was bedeutet es, als Achtjähriger von den Eltern für immer getrennt zu werden, wie kommt man damit zurecht, als 16 Jähriger völlig allein leben zu sein und die Ermordung seiner Eltern in Auschwitz realisieren zu müssen.
Viele Themen wurden angesprochen, die ein solch bewegtes Leben aufwirft, Themen wie Erinnerung, Verdrängung, Schuld, Vergebung und Neuanfang. Besonders die Rolle der jungen  Menschen wurde diskutiert, die zwar keine Schuld tragen, aber die Verantwortung auf sich nehmen müssen, dafür zu sorgen, dass sich dies nie wieder wiederholt.
Schulleiter Lutz Grossmann begrüßte den Gast, einige Schüler unter der Leitung von Ulrich Noss umrahmten die Begegnung musikalisch, Doris Uhlig führte durch das Gespräch.
In der Heimkirche fand eine bewegende Begegnung mit einem Zeitzeugen statt, der die dunkle Zeit des 3. Reiches miterlebt hat und Zeugnis ablegen kann und den Verbrechen der Nazis und der Gleichgültigkeit der Deutschen und den Leiden der Opfer. Die Freundschaft zwischen deutschen und israelischen Schülern wäre ohne die Hilfe von Dr. Menachem Mayer nicht möglich geworden. Er ist inzwischen ein Freund der Heimschule Lender geworden. Ein lebendiges Beispiel, dass aus Erinnerung Zukunft erwächst, die hoffentlich im nächsten Jahr in Jerusalem ihre Fortsetzung findet.