Schülerinnen aus Ägypten an der Lender
Ex-Schulleiter der Lender Müller in Sasbach
Sasbach(sp). „Ihr sprecht aber sehr gut Deutsch”. Dieses tolle Kompliment durften die Siebtklässlerinnen aus Alexandria/Ägypten auf dem Schulcampus und in den Klassenzimmern der Heimschule Lender des Öfteren hören, die noch bis Ende dieser Woche und zum ersten Mal 22 Mädchen der deutschen Schule in Alexandria zu Gast hat. Begleitet werden die Schülerinnen von Schwester Antonia, Marie Claire Farag und Hubert Müller, der seit zwei Jahren das „Alex” leitet und zuvor acht Jahre Direktor der Heimschule Lender war. Neben den Siebtklässlerinnen besuchen auch 15 Mädchen der Klassenstufe elf das Ursula-Gymnasium in Freiburg und das Gymnasium in Stegen.
Die deutsche Schule in Alexandria feierte 2009 ihr 125-jähriges Bestehen und sie ist eine ganz besondere Schule. Denn Schulträger ist die Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Karl Borromäus, die ihre Schule 1884 in Alexandria gründete. Es ist dies eine reine Mädchenschule mit rund 800 Schülerinnen, die von deutschen und ägyptischen Lehrern in beiden Sprachen unterrichtet werden. Zu der katholischen Einrichtung gehören ein Kindergarten, eine Vorschule, eine Grundschule und ein Gymnasium, in dem die Schülerinnen nach der 12. Klasse das Abitur oder die Fachhochschulreife ablegen können. Interessant ist, dass etwa zehn Prozent der Schülerinnen Christinnen und 90 Prozent Musliminnen sind. Der Religionsunterricht erfolgt in getrennten Klassen, freitags und sonntags ist kein Unterricht und es ist für die Schülerinnen überhaupt kein Problem, dass die jungen Musliminnen mit dem Chor einen Weihnachtsgottesdienst gestalten oder die Christinnen an einem Fest ihrer muslimischen Freundinnen teilnehmen. „An unserer Schule funktioniert das Zusammenleben sehr gut”, so Schwester Antonia, die in Deutschland studierte, Deutsch und Katholische Religion unterrichtet und drei Wochen Gast im Kloster Erlenbad sein durfte. „Die Eltern sind stolz, ihre Kinder auf unsere Schule zu schicken”, so die Borromäer Schwester, die auch strahlend darauf verwies, dass „ihre” Schule zu einer der besten in Ägypten gehört und den Mädchen eine sehr gute Bildung ermöglicht. Dies bestätigte im letzten Schuljahr die Bund-Länder-Inspektion nach der Evaluation mit dem Zertifikat „Exzellente deutsche Schule”. Dass die Schülerinnen jede Woche ab der vierten Klasse mindestens 40 Stunden Unterricht haben und dazu noch Arbeitsgemeinschaften (Chor, Theater, Orchester etc.) und die in Ägypten üblichen Privatstunden besuchen, sorgte bei den Unterrichtsbesuchen der Schwester bei so manchem Lenderschüler für große Augen.
Im Mittelpunkt des Aufenthaltes stand der Besuch des Unterrichts an der Lender und so mancher staunte über die ausgezeichneten Sprachkenntnisse der Mädchen und deren Offenheit und Lebensfreude, mit der sie auf dem Schulcampus unterwegs waren. Möglich wurde der Aufenthalt auch durch die Bereitschaft vieler Eltern aus der ganzen Raumschaft, die drei Wochen viel Freude mit den ägyptischen Schülerinnen hatten und diesen Einblicke in das Leben einer deutschen Familie und die Schönheiten des Schwarzwaldes gaben. Dass Schulleiter Hubert Müller drei Wochen auf das freundliche „Sabah al Chier („Morgen der Güte”) des Besitzers einer Garküche für fett gebackenes Falaffel (Gemüse) und Frühstücksfoul (Bohnenbrei) verzichten musste, hat er in heimischen Landen und beim Auffrischen der Kontakte zu Kollegen seiner „alten” Schule oder als ehemaliger Gemeinderat beim Empfang im Sitzungssaal des Rathauses durch Bürgermeister Wolfgang Reinholz gerne verschmerzt. Dass er sich zu den arabischen Tänzen seiner Schülerinnen im legeren Gewand eines Ägypters („Galabija”) zeigte, bestätigte den Sasbachern, dass er in der „Perle des Mittelmeers” angekommen ist und sich dort auch wohl fühlt. „Unser Schulleiter ist der Beste”, jubilierten die Mädchen in höchsten Tönen, die fernab der acht Millionen-Metropole Alexandria in eine ganz andere Welt eintauchten: „Hier ist alles so schön und so grün”.